Das ist eigentlich grob fahrlässig, auch wenn man diese Freiheit begrüßen mag. "In Mathe und Deutsch sind wir die Profis, die alle Fragen beantworten können, in den neuen Medien nicht", sagt einer der Lehrer. Ein anderer fragt nach der Stunde Internetunterricht, ob eMule etwa eine dieser Filesharingplattformen sei, von denen ich da erzähle, sein elfjähriger Sohn besorge sich dort Musik.

Die Lehrer werden hier ebenso wenig wie die Schule namentlich genannt, denn es geht nicht um eine einzelne Schule. Es geht um unser Schulsystem und darum, welche Dinge wir für so wichtig halten, dass wir sie unseren Kindern so früh wie möglich beibringen.

Schule hat das Monopol darauf, unsere wichtigsten Kulturtechniken zu vermitteln: Lesen und Schreiben und Rechnen. Noch ist Surfen nicht ganz so wichtig, doch ein grundsätzliches Verständnis des Netzes, seiner Möglichkeiten und Gefahren, sollten Kinder haben. Schließlich lernen sie auch nicht ohne Grund, sich im Straßenverkehr zu bewegen – und müssen dazu beispielsweise eine Fahrradfahr-Prüfung ablegen.

"Früher konnte man das Thema Computer in eine Arbeitsgemeinschaft delegieren", sagt die Direktorin der Grundschule. "Aber das Internet ist jetzt Alltag, da reicht es nicht mehr, das so nebenbei zu machen." Und sie sagt, Lehrpläne, Standards und Weiterbildung müssten her, damit die Lehrer die Fragen ihrer Schüler beantworten können. Die gibt es nicht. Trotzdem will sie an ihrer Schule den Umgang mit dem Netz künftig in den Unterricht einbauen: "In Sachkunde würde es gut passen."

Es geht dabei nicht nur darum, auf Probleme zu reagieren. Es geht auch darum, Sinn und Nutzen zu vermitteln, zu zeigen, was sich im und durch das Netz alles lernen lässt. Alle Grundschüler kennen YouTube und Facebook , aber kaum einer Wikipedia . Alle wissen, wo sie Spiele herbekommen und Musik, aber die wenigstens haben eine Ahnung, wo sie brauchbare Informationen finden oder wie sie aus den Tausenden Ergebnissen einer Suchmaschine die herausfiltern können, die ihre Frage beantworten. Ja nicht einmal der Begriff Suchmaschine ist ihnen geläufig, erst wenn der Name Google fällt, nicken alle.

Wir sind hierzulande oft skeptisch, wenn es um neue Technik geht. Das ist nicht schlecht. Aber das Internet ist nicht mehr neu, wir müssen langsam mal anfangen, den Umgang damit zu vermitteln. Denn bewahren können wir unsere Kinder davor sowieso nicht und sollten es auch nicht.

Der Auslöser für mein Debut als Internetlehrer waren übrigens drei Sechstklässler. Sie hatten in der großen Pause auf einem Schulrechner bei YouTube einen Horrorfilm-Trailer angeklickt und einigen Mitschülern damit ein paar Alpträume von abgerissenen Armen verpasst.