Diese Aktionen findet auch Pavel Richter richtig: "Über die Schwerpunkte der Arbeit besteht in der Bewegung kein wesentlicher Unterschied", sagt der Geschäftsführer. Wie dies organisiert werden soll, ist jedoch strittig. "Ich glaube an die Subsidiarität, zentralistischen Bestrebungen würde ich mich entgegen stellen." Dass das Funding Dissemination Committee die vielen internationalen Aktionen und Initiativen aus der Ferne bewerten und entsprechende Mittel zuteilen kann, hält Richter für kaum möglich.

Doch sollte sich der Vorstand der Wikimedia Foundation dazu entschließen, das umstrittene Finanzierungsmodell durchzusetzen, kann der deutsche Verein formell wenig machen. Die Server der Wikipedia unterstehen allein der Foundation. Welche Spendenkonten also bei der jährlichen Spendenkampagne auf den Seiten der Wikipedia stehen, legt allein die Stiftung in den USA fest.

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Wehrlos sind die Chapter aber nicht: Sie haben kurzerhand die Pläne für ein "Chapters Council" aufgegriffen, die schon länger in der Schublade lagen und eine eigene Interessenvertretung gegründet. Doch statt nur ein Selbsthilfegremium zu schaffen, in dem sich die Ländervereine über ihre alltäglichen Probleme und Aktionen austauschen, ist nun ein neues Machtzentrum geplant – mit eigener Entscheidungsstruktur, Wahlen und bezahlten Angestellten.

Das neue Gremium soll auch bei der Mittelvergabe mitsprechen, sagt Richter: "Das Chapters Council wird sich an dem Verteilungsprozess und der Prioritätensetzung aktiv beteiligen, sowohl innerhalb eines FDC als auch in anderen Zusammenhängen."

Spielregeln müssen neu verhandelt werden

Offiziell haben beide Initiativen nichts miteinander zu tun. "Ich sehe FDC und Chapters Council nicht als Konkurrenz zueinander, sondern als zwei Institutionen, die ihre eigenen Tätigkeitsbereiche haben", sagt Ting Chen , der Vorsitzende des Stiftungsrates der Wikimedia Foundation. Dieses Gremium gibt die Richtlinien vor, nach denen die Wikimedia-Zentrale in San Francisco arbeitet und die auch die Arbeit der insgesamt 39 eigenständigen "Chapter" auf der ganzen Welt betreffen.

Chen möchte das Ganze als einen normalen Findungsprozess verstanden wissen. "Die WMF ist mit ihren etwa acht Jahren eine sehr junge Organisation", sagt er. "Viele global operierende Organisationen müssen in ihren Anfangsjahren eine Phase durchmachen, wo sie ihre interne Zusammenarbeit und Struktur ordnen."

Doch würde ein solcher Zusammenschluss, der Tausende Mitglieder vertritt, wohl die Spielregeln verändern. "Dass das Chapter Council auch eine Interessenvertretung der Chapter gegenüber der Foundation sein soll, ist offensichtlich", sagt Leonhard Dobusch, der seit Jahren zur Organisation der Wikimedia-Community forscht.

Wie diese neuen Spielregeln aussehen können, müssen die Wikipedia-Aktivisten in der kommenden Woche in Berlin entscheiden.