Dropbox wird zum Filesharing-Portal

Vielleicht muss sich das Dropbox-Team bald mit der deutschen Rechtsprechung zu Tanzstundenabschlussbällen beschäftigen. Ein deutsches Gericht hat einst entschieden, dass solche Abschlussbälle als öffentlich gelten, wenn dort auch Bekannte und Verwandte Zutritt haben. Und was nach deutschem Recht als öffentliche Vorführung gilt, könnte für Dropbox-Nutzer und die Firma selbst interessant sein.

Denn der amerikanische Speicherdienst hat eine neue Funktion eingeführt , die ihn in die Mitte deutscher Urheberrechtsdebatten katapultiert: Seine 50 Millionen Nutzer können nun einzelne Dateien mit einem Link teilen. Filme können sogar von der Dropbox-Homepage aus gestreamt werden. Damit wird Dropbox der mittlerweile abgeschalteten Seite Megaupload zumindest etwas ähnlicher.

Dateien-Teilen ist nicht neu bei Dropbox. Schon immer bot der Dienst die Möglichkeit, gemeinsame Ordner mit Freunden anzulegen. Diese Freunde müssen per Hand via E-Mail eingeladen werden und nutzen dann eine Art Austauschordner. Kopiert jemand eine neue Datei in diesen Ordner, wird sie auch auf den Computer der anderen Nutzer kopiert. Das ist ein bequemer Weg, um die Fotos vom letzten gemeinsamen Urlaub zu tauschen, aber auch um Filme, Musik, Bücher zu teilen.

So ein Ordner ist nun nicht mehr nötig, es genügt, einen Link zu verschicken. Mit der neuen Link-Funktion können auch Unbekannte auf die Dateien zugreifen, wenn sie im Besitz eben des Links sind. Ähnlich funktionieren Speicherdienste wie Rapidshare, oder eben auch die geschlossene Seite Megaupload, wie das US-Blog Tech Dirt schreibt . Nur konnte man dort die entsprechenden Dateien anschließend auch herunterladen.

Die Neuerung bei Dropbox kommt überraschend, denn einige Online-Speicherdienste hatten nach der Verhaftung des Megaupload-Gründers Kim Schmitz ihre Teilen-Funktion komplett eingestellt. Aus guten Gründen: "Beim Dropbox-Streamen gibt es rechtlich keinen Unterschied zu Megaupload", sagt der IT-Anwalt Arne Lampmann. Beispielweise wurde auch die Seite kino.to dicht gemacht , die vor allem Streams von Kinofilmen anbot.

Das Inhalte-Teilen ist allerdings nicht per se illegal. Entscheidend ist, ob die Dateien lediglich dem privaten Umfeld oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Hier gebe es eine alte Grundregel, sagt Lampmann. "Öffentlichkeit sind diejenigen, die nicht durch eine persönliche Bande miteinander verbunden sind." Deswegen gelten eben jene Abschlussbälle von Tanzschulen als öffentlich. Dort sind einfach zu viele Menschen, die keine persönliche Beziehung zueinander haben.

Eidesstattliche Erklärung

Das heißt konkret: Wenn jemand mit seinen Fußballfreunden ein neues Musik-Album auf Dropbox teilt, ist das legal. Denn es gibt eine persönliche Bande zwischen ihnen und Privatkopien urheberrechtlich geschützter Werke sind erlaubt. Wenn er allerdings den Link zu dem Album in einem anonymen Internet-Forum veröffentlicht, was nun problemlos möglich ist, ist das illegal.

Dropbox weist darauf hin, dass es verschiedene Maßnahmen ergriffen hat, um Urheberrechtsverletzungen wenn nicht zu verhindern, so doch zu erschweren . So sei die Bandbreite für Downloads limitiert und mit Hilfe einer kleinen Flagge kann jeder Urheberrechtsverstöße melden. Beziehungsweise kann er an Eides statt versichern, dass er Urheber ist oder diesen vertritt. Wenn Dropbox diese anerkennt, kann der Nutzer die entsprechende Datei nicht mehr verlinken. Wie vorsichtig Dropbox beim Urheberrecht ist, zeigte sich kürzlich.

Der Journalist Mario Sixtus hatte bei dem Dienst eine PDF-Datei hochgeladen. Darin ein Text, der nahelegt, dass jemand Wikipedia-Einträge verfälscht haben soll. Der Beschuldigte meldete bei Dropbox eine Urheberrechtsverletzung auf Basis des amerikanischen Digital Millennium Copyright Act (DMCA) – obwohl er in dem entsprechenden Text nur mit ein paar Zitaten auftaucht, obwohl der ganze Fall mit dem Urheberrecht nichts zu tun hat und obwohl noch nicht einmal sicher ist, ob amerikanisches Recht in Deutschland überhaupt anwendbar ist. Dropbox sperrte die Datei dennoch.

Was hierzulande durchaus zu Kritik führte, lautet der Vorwurf doch, dass Dropbox solche Anschuldigungen gar nicht prüfe und ungesehen den Inhalt sperre . Nachvollziehbar zumindest ist es. Mit der Sperrung entledigt sich der Dienst jeglicher urheberrechtlicher Haftung – um nicht in den Verdacht zu kommen, ein neues Megaupload zu sein.