Selbstverständlich sind es nicht die Pannen, die die Konferenz spannend machen. Es ist die Zusammensetzung der Leute, es sind die Vorträge, die Gespräche.

Das belegte indirekt Wirtschaftsstaatssekretär Christoph von Knobelsdorff , der die Eröffnungsrede hielt. Kurz nachdem er begonnen hatte, gab es auf Twitter die ersten verwunderten Kommentare, ob der Mensch da oben auf der Bühne tatsächlich eine Krawatte trage.

Bald langweilte sich der Saal ganz offensichtlich und als der Redner das Buzzword " Silicon Valley " im Zusammenhang mit Berlin verwendete, rief jemand laut "Bingo!" . Das Gelächter war laut und erlösend. Inhaltsleere Werbevorträge sind eben nicht Teil der re:publica. Der bedauernswerte Staatssekretär stach im Vergleich zu den üblichen Talks, Sessions und Keynotes heraus , wie eine Holztaube in einem Schwarm Kakadus.

Große Themenvielfalt

Gleichzeitig ist von Knobelsdorff genau wie die endlich verstärkten Funkzellen ein Beleg dafür, dass die Konferenz nun ernst genommen wird. So ernst, dass Berlin Partner, die Werbeagentur, die die Hauptstadt vermarktet, sich mit der re:publica brüstet und sie in ihre Berlin Web Week eingebunden hat. Wobei die einstige Bloggerkonferenz das Zugpferd ist und zwei Drittel der Besucher stellt, mit denen Berlin Partner protzt.

Auch die weiteren Zahlen sprechen für sich: 20.000 Quadratmeter Fläche, 200 Stunden Programm, verteilt auf insgesamt acht Bühnen gleichzeitig, 350 Vortragende aus mehr als 30 Ländern . Da seien langweilige Politikerreden zum Auftakt nun mal der Preis der Professionalität, sagen einige Besucher schulterzuckend.

Und doch gibt es wie immer auch Aktivisten aus aller Welt, die wirklich etwas zu sagen haben, und das zu vielen Themen. So geht es in diesem Jahr selbstverständlich um die Öffentlichkeit im Netz, aber auch um eine neue Do-it-yourself-Kultur , die das Zeug hat, ganze Industrien umzukrempeln. Es geht um offene Bildung, um die Urheberrechtsdebatte , um den Mobilfunkmarkt in Afrika und wie er die Welt sozialer Medien verändern könnte, um Crowdfunding und offene Daten .

Und die Leute? "Ein Klassentreffen ist es noch immer, es sind nur dreitausend zusätzliche Menschen da, die man kennenlernen kann", sagt Matthias Richel, Blogger und Mitgründer der netzpolitischen Vereinigung D64 .