In den Datenschutzbestimmungen der Non-Profit-Organisation steht übrigens, dass LifeNaut die Daten seiner Nutzer für Marketingzwecke nutzen oder an Dritte verkaufen darf, wenn das der Verbesserung des Dienstes dient. Sollte die Organisation pleite gehen und verkauft werden, gehen alle Daten an den Käufer über.

Es geht aber noch visionärer. Dem russischen Unternehmer Dmitri Itzkow, Gründer des Medienkonzerns New Media Stars, sind die Ansätze von LifeNaut zu zaghaft. Er beschäftigt etwa 30 Wissenschaftler, die nicht nur Persönlichkeiten digitalisieren, sondern das komplette Gehirn in einen Roboterkörper verpflanzen sollen. Das soll bis 2045 geschehen. Vorher gibt es noch eine Menge zu tun: "Wir müssen herausfinden, wie wir das Gehirn mit Energie versorgen und am Leben halten können", sagt Itzkow. "Außerdem brauchen wir eine Schnittstelle, über die das Gehirn den künstlichen Körper kontrolliert."

Itzkow stellt sich die Entwicklung in vier Phasen vor: In Phase A kontrolliert das Gehirn per Telepräsenz einen Roboterkörper. In Phase B entsteht ein System, das die Funktionen des Gehirns außerhalb des menschlichen Körpers aufrechterhalten kann. In Phase C wird die Persönlichkeit eines Menschen vom Gehirn unabhängig reproduzierbar sein, und in Phase D wird der Androiden-Körper durch ein Hologramm ersetzt. Zu Itzkows Wissenschaftlern zählen Ärzte, Neurologen, Spezialisten für Optoelektronik, Mathematiker, Robotikforscher, Medizininformatiker, Psychologen, Philosophen und Soziologen.

"Eine neue Strategie des Menschseins"

Humanoide Roboter, so glaubt der russische Unternehmer, werden schon etwa 2020 in Massenproduktion hergestellt. "Sie werden beliebter sein als Autos", sagt Itzkow. Er ist überzeugt, dass Menschen sich dann zunehmend über Telepräsenz von Robotern vertreten lassen und so in die künstlichen Körper mental hineinwachsen. 2045 werde der künstliche Körper dem biologischen überlegen sein. "Wir implementieren nicht bloß eine Technik", sagt Itzkow. "Wir entwickeln eine neue Strategie des Menschseins."

Eine verrückte Idee? "Nichts ist unmöglich", sagt Mohamed Oubbati vorsichtig. Er leitet die Forschungsgruppe NeuroBotik an der Universität Ulm . Ihn erinnern die Ideen Itzkows an die Aufbruchstimmung bei der künstlichen Intelligenz in den 1950ern. Damals hofften Forscher, schon bald ein künstliches Gehirn zu entwickeln – doch die Fortschritte waren ernüchternd. Seit einigen Jahren ist die Euphorie zurück. Wissenschaftler wollen weg vom Ziel, eine eine künstliche Intelligenz zu erschaffen, die nur bestimmte Aufgaben zu erledigen hat, und hin zu einer allgemeinen, lernfähigen Intelligenz.

"Ich glaube auch, dass es eines Tages möglich sein wird, mittels Gehirnsignalen einen künstlichen Körper zu steuern", sagt Oubbati. "Allerdings befinden wir uns erst am Anfang. Wir wissen weder, wie unser Gehirn genau funktioniert, noch wie künstliches Lernen funktionieren könnte. Einen Zeitplan, wie in Itzkow vorgibt, halte ich deshalb für unsinnig."