Bislang hatte es Hollywood schwer in China . Obwohl sich so ziemlich jeder chinesische Großstädter so gut mit Star Wars , Harry Potter oder dem Herrn der Ringe auskennt wie Filmliebhaber in den Vereinigten Staaten oder Europa , verdiente die internationale Filmbranche nur wenig an den Chinesen.

Laut den Auflagen der staatlichen Filmbehörde dürfen nur 36 ausländische Filme pro Jahr in chinesischen Kinos gezeigt werden, bis vor Kurzem waren es sogar nur 20. Und die Kinosäle sind nicht einmal voll. Denn jeder in der Volksrepublik weiß: Viele Szenen hat die Zensurbehörde zum Teil lieblos herausgeschnitten.

In keinem Land ist das illegale Herunterladen, Kopieren und Streamen von Filmen und Serien so weit verbreitet wie in der Volksrepublik. Schwarzkopien auf DVDs gibt es für umgerechnet einen Euro. Sie sind damit nicht nur sehr viel billiger als der Kinoeintritt. Die Filme sind darauf auch vollständig zu sehen. Doch daran verdient Hollywood nicht einen Yuan.

Neue Haltung zum Urheberrecht

Die Motion Picture Association, der Zusammenschluss der Filmbranche in den USA , schätzt, dass den großen Studios auf diese Weise Gewinne zwischen zwei und drei Milliarden Dollar im Jahr verloren gehen. Damit war China bislang weltweit die größte Schwachstelle im Kampf gegen die Filmpiraterie.

Portale wie Youku, Tudou, Qiyi.com, pps.tv und ku6 haben viele Jahre lang wenig unternommen, um das illegale Kopieren zu erschweren. Ausgerechnet diese Internet-Video-Plattformen helfen der US-Filmbranche nun dabei, in China ein neues Bewusstsein zum Urheberrecht zu entwickeln. Die Video-Portale haben im Laufe des vergangenen Jahres mit allen großen Hollywood-Studios Lizenzabkommen unterzeichnet und sich Filmrechte gesichert. Damit können sie ihren Nutzern die Filme nun legal und kostenlos zur Verfügung stellen.

Darunter befinden sich Filme von Lionsgate, Disney, Paramount, Dreamworks , Warner Brothers und 20th Century Fox – also alle großen Hollywood-Studios. Die Zahl der frei im Netz verfügbaren Filme liegt bei mehreren Tausend, und alle sind unzensiert.

Es sind zwar auch weiterhin nicht die Nutzer, die dafür zahlen. Die Gebühren übernehmen die chinesischen Portale. Aber sowohl sie als auch die US-Studios setzen darauf, dass der chinesische Nutzer nicht mehr illegal herunterlädt, sondern sich nach und nach an Bezahlsysteme gewöhnt.