Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) enthüllt am heutigen Mittwoch in London die Bewerber um die generischen Top-Level-Domains (gTLD). Denn von diesen frei wählbare URL-Endungen wie . bayern oder .fashion soll es nun eine Unmenge geben. Die Icann, eine Non-Profit-Organisation mit Sitz im US-Bundesstaat Kalifornien , spricht von einem "Meilenstein in der Geschichte des Internets".

Anders als bei der normalen Registrierung von Domain-Namen erwerben die Käufer mit der gTLD nicht einfach nur eine Webadresse, sondern ein Stück Internet-Infrastruktur. TLD-Besitzer operieren als eigenständige Internetanbieter für ihren Adressenbereich und müssen die entsprechende technische Infrastruktur vorweisen. Erstmals sollen Top-Level-Domains zudem aus nicht-lateinischen Buchstaben bestehen können, etwa arabischen oder chinesischen Schriftzeichen.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zur heutigen Bekanntgabe:

7 Jahre hat es vom ersten Vorschlag zur Erweiterung der Domainliste im Jahr 2005 bis zur heutigen Bekanntgabe gedauert.

7 Monate räumt die Icann für Beschwerden ein , nachdem sie die Liste der Bewerber offengelegt hat. Wer also Einwände gegen eine Domain oder einen Antragbesteller hat, muss diese bis Anfang 2013 an die Icann übermittelt haben. Befürchtet wird, dass einige Bewerber versuchen, aussagekräftige gTLDs zu sichern, die sie dann weiterverkaufen könnten. Die Icann will aber darauf achten, dass insbesondere Marken und Namen geschützt werden.

50 Bewerbungen soll allein Google abgegeben haben, darunter die für die gTLDs .youtube, .docs, aber auch für .lol – was genau Google mit .lol anfangen will, hat das Unternehmen nicht bekannt gegeben. Die Zahl 50 taucht im entsprechenden Eintrag im offiziellen Google-Blog zwar nicht mehr auf, der Eintrag wurde aber dutzendfach als Quelle zitiert .

67 gTLDs hat die Top Level Domain Holdings Ltd. angemeldet, darunter .beer, .love und .pizza.

307 Bewerbungen hat die Firma Donut abgegeben. Welche, hat sie vorab nicht verraten.

500 der neuen gTLDs kann die Icann gleichzeitig bearbeiten. Weil es aber mehr Anträge gibt und die Icann nach kalifornischem Recht nicht auslosen darf, greift die Organisation zum "digitalen Bogenschießen". Dabei müssen die Bewerber versuchen, zu einem vorher gewählten Zeitpunkt einen "Submit"-Button im Icann-System zu klicken. Wer den selbst gewählten Zeitpunkt am genauesten trifft, hat Chancen, im ersten Block zu landen, der bearbeitet wird. Wie das genau funktioniert, wird hier erklärt . Hintergrund ist, dass es sich für viele Bewerber lohnen würde, mit der neuen gTLD möglichst schnell ins Netz zu kommen.

Mehr als 1.900 neue gTLDs sind insgesamt vorgeschlagen worden. Das bedeutet, es wird vier Blöcke geben, die im "digitalen Bogenschießen" zusammengestellt werden.

Anfang 2013 sollen Internetnutzer die ersten gTLDs aufrufen können.

185.000 Dollar kostete die Bewerbung für eine gTLD. Zugelassen waren nur professionelle Anbieter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und anderen Institutionen. Privatpersonen durften sich nicht bewerben.