Zwei Beamer für die Live-Übertragung, kalte Getränke und einige sichtlich angespannte Menschen: In den Räumen der Berliner DOTZON GmbH sieht alles nach Fußball-EM aus. Doch es geht um neue Domain-Endungen. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) gibt bekannt, wer sich um neue Top Level Domains wie .music, .vodka oder .hotel bewirbt.

Mit ihnen sollen Institutionen, Markeninhaber und Gewerbetreibende mehr Gestaltungsspielraum für ihre Web-Präsenzen bekommen. Denn die meisten aussagekräftigen Domains mit den Endungen .com, .de oder .org sind bereits vergeben.

DOTZON hat die Bewerbungen von mehr als 20 Unternehmen und Institutionen begleitet, darunter auch die Firma regiodot. Dahinter steckt der Sutter Telefonbuch Verlag, bekannt durch die Gelben Seiten. Regiodot hat sich um . ruhr beworben, um Anzeigenkunden der Gelben Seiten neue Domains verkaufen zu können. Geschäftsführer Bernhard Lüders sitzt in der ersten Reihe vor dem Beamer und reißt jubelnd die Arme hoch, als auf der Icann-Liste nur die eigene Bewerbung für .ruhr erscheint – und keine Konkurrenz. Es ist der Moment, in dem die Icann-Übertragung einem Fußballspiel sehr ähnlich ist.

Später sagt Lüders: "Das war schon sehr spannend. So eine Bewerbung kostet mit allem Drum und Dran schließlich um die 500.000 Euro." Fast 150.000 davon bekommt allein die Icann, eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Kalifornien . Wer sich bewirbt, aber später den Zuschlag nicht erhält, sieht das Geld nicht wieder.

Die deutschlandweit bekannteste Bewerbung ist die der Firma dotBERLIN , die sich mit Unterstützung des Senats um die Adressendung . berlin bemüht. Schon im Jahr 2005 baten die Berliner die Icann darum, solche TLDs einzuführen. Geschäftsführer Dirk Krischenowski sagt: "Wir sind praktisch die Mutter aller neuen TLDs." Entsprechend erleichtert ist er, als die Icann die Liste der Bewerbungen veröffentlicht – auch für .berlin hat sich sonst niemand beworben.

Mit Konkurrenz hatte Krischenowski aber durchaus gerechnet, denn er habe "im Vorfeld viele Schweinereien" miterlebt. Manche Bewerber auf attraktive TLDs hätten nur deshalb mitgemacht und sich früh damit gebrüstet, um sich von Anwärtern mit einem berechtigten Interesse noch vor der Entscheidung der Icann herauskaufen zu lassen.

Ein Blick auf die Liste lässt erahnen, wie das Internet in Zukunft aussehen wird: Mehrere Interessenten gibt es etwa bei Domain-Endungen wie .pizza, .book, .yoga oder .app. Selbst mehr oder weniger humorvolle Anträge wie .sucks gibt es drei Mal. Auch Google hat im Rennen um .lol einen Mitbewerber. Eher seltsam mutet die Bewerbung um .vermögensverwaltung an – mit "ö".