Sie nennen es den "demokratischsten Twitter-Account der Welt": Das Schwedische Institut und die schwedische Tourismusbehörde geben den Zugang zum Twitter-Konto @sweden jede Woche an einen anderen Bürger. Er oder sie darf einfach drauflostwittern und soll der Welt ein möglichst authentisches Bild von Schweden vermitteln.

Die 27. offizielle Vertreterin Schwedens auf Twitter hat den Account vor wenigen Stunden übernommen. Sie heißt Sonja Abraham, ist 27 Jahre alt, lebt in der Nähe von Göteborg und ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Einer ihrer ersten Tweets besagt, wer kein Rührei mag, könne kein echter Schwede sein.

Solche harmlos-frechen Statements dürften die Initiatoren im Sinn gehabt haben, als sie das Projekt Curators of Sweden vor einem halben Jahr ins Leben riefen. Die Idee, alle sieben Tage jemand anderen im Namen des schwedischen Staates twittern zu lassen, stammt allerdings nicht von ihnen, sondern von der Werbeagentur Volontaire. Ziel der Aktion ist es, mehr Touristen nach Schweden zu locken.

Diese Idee hätte allerdings auch leicht nach hinten losgehen können. Das bewies gleich der erste offizielle Schweden-Twitterer: Ein junger Mann namens Jack Werner schrieb fröhlich über die Freuden des Onanierens , über Analsex und das schwedische Wort für Anus. Dokumentiert ist all das auf der Website der Curators of Sweden

Viele haben schon Twitter-Erfahrung

Ob Jack Werners Tweets tatsächlich den Tourismus gefördert haben, ist fraglich. Aber immerhin verlieh er dem Account die erhoffte Authentizität. Heute folgen dem jungen Mann rund 30.000 Menschen auf Twitter.

Wer mitmachen will, muss erstens schwedischer Staatsbürger sein und zweitens vorgeschlagen werden. Sich selbst zu bewerben, ist nicht erwünscht. Weitere Voraussetzung ist, auf Englisch twittern zu können. Viele Bewerber bringen aber ohnehin Twitter-Erfahrung mit. Die Initiatoren wählen unter den vorgeschlagenen Kandidaten den nächsten Schweden-Twitterer aus und achten offenbar auf eine politisch korrekte Mischung aus alt und jung, Frauen und Männern, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.

So unterschiedlich die ausgewählten Personen, so unterschiedlich ihre Tweets. Einer schreibt: "Ich bin, wie alle wahren Schweden, ein Kaffee-Nazi: Espresso, viel Milch, dazu Kardamom und Zimt." Jemand anderes berichtet über den vergeblichen Versuch , seine neu gewonnene Popularität zu nutzen, um einen Wikipedia-Eintrag über sich selbst zu verfassen. Einige beantworten aber auch Fragen von Twitter-Nutzern aus aller Welt zu ihrem Leben und zu ihrem Land.