Wegen der Sperrung eines kritischen Nutzerkontos gibt es Zensurvorwürfe gegen Twitter und den amerikanischen Medienkonzern NBC Universal. Twitter hatte am Montag den Account des Journalisten Guy Adams gesperrt, der sich über die Qualität der NBC-Berichterstattung von den Olympischen Spielen beschwert hatte. Der TV-Sender hatte die Sperrung beantragt.

Tausende Nutzer kritisierten daraufhin unter dem Schlagwort "#NBCfail" die Sperrung. Der Fall erregte besonderen Ärger, weil die beiden Unternehmen bei den Olympischen Spielen als Medienpartner auftreten.

Adams, der für die britische Zeitung Independent arbeitet, hatte bei Twitter kritisiert, dass NBC die Eröffnungsfeier der Spiele in den USA nur zeitversetzt zeigte. Er forderte Nutzer auf, dem zuständigen Manager Gary Zenkel die Meinung zu sagen und veröffentlichte dessen berufliche E-Mail-Adresse.

Twitter wertete dies zunächst als Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Adams hielt dem entgegen, es handle sich nicht um eine private, sondern berufliche Adresse, die bereits online veröffentlicht worden und somit per Suchmaschine auffindbar sei. Er forderte Twitter auf, seinen Account wieder freizugeben.

Twitter gibt Nutzerkonto nach Entschuldigung wieder frei

Twitter entschuldigte sich noch am selben Tag für die Entscheidung und entsprach der Forderung von Adams: Sein Nutzerkonto ist mittlerweile wieder freigeschaltet.

Als Begründung für die Sperrung gab Twitter in einem Blogeintrag an, dass es grundsätzlich keine Rolle spiele, ob es sich um eine berufliche oder private Nutzung der E-Mail-Adresse handelt. In der Erklärung hieß es weiter, Twitter überprüfe Nutzerkonten nicht aktiv auf Missstände, sondern reagiere lediglich auf externe Beschwerden. Dass die Beschwerde der NBC auf einen Tipp eines anderen Twitter-Teams, dem Olympia-Medienpartner des Senders, hin eingereicht wurde, habe das Sicherheitsteam nicht gewusst. Twitter habe deshalb auf die Beschwerde des TV-Senders reagiert wie auf jede andere – mit der Sperrung des Nutzerkontos.