Wer in Syrien gegen das Assad-Regime demonstriert und sich dabei filmen lässt, schwebt in großer Gefahr, von Assad-Anhängern identifiziert und verfolgt zu werden. Trotzdem ist es wichtig, dass es solche Videos gibt. Denn solange es so gut wie keine ausländischen Journalisten in Syrien gibt, müssen die Einwohner selbst für Bilder sorgen, die ihr Anliegen und die Zustände im Land dokumentieren. YouTube will diesen Menschen helfen.

Der Mutterkonzern Google weiß und ist durchaus stolz darauf , dass YouTube als beliebtestes Videoportal der Welt eine große Rolle bei Volksaufständen und der Dokumentation von Ungerechtigkeiten und Widerstand spielt. Ein neues Werkzeug soll nun dazu beitragen, dass YouTube-Filmer die Menschen, die sie abbilden, nicht in Gefahr bringen. Die neue Funktion heißt "Alle Gesichter unkenntlich machen" und erfordert nicht mehr als das Betätigen eines Buttons.

Wer sich in seinen YouTube-Account eingeloggt hat, wählt eines seiner Videos aus und klickt oben auf "Video verbessern" und dann unten auf "Weitere Optionen". Dort taucht als bislang einziges Werkzeug der Button für "Alle Gesichter unkenntlich machen" auf. Eine Vorauswahl bestimmter Gesichter ist übrigens nicht möglich.

Neben dem Button gibt es noch eine Checkbox, mit der man sicherstellen kann, dass nach Fertigstellung des bearbeiteten Videos – es handelt sich um eine Kopie des Originals – die alte Version mit den erkennbaren Gesichtern von YouTubes Server entfernt wird.

In mehreren Testläufen von ZEIT ONLINE hat das Werkzeug nur mäßig funktioniert. Größere Gesichter im Bildvordergrund, zum Beispiel Musiker, hat das Programm recht zuverlässig und von Beginn an erkannt und absolut unkenntlich gemacht.

Kleinere Köpfe, also Passanten im Hintergrund, hat es dagegen nicht immer als solche identifiziert. Die Gesichter wurden dann gar nicht oder mit Verzögerung beziehungsweise mit Unterbrechungen bearbeitet. Um Demonstranten in einem Video zuverlässig zu schützen, reicht das noch nicht aus.

Die Technik arbeite noch nicht perfekt, heißt es auch im offiziellen YouTube-Blog : "Abhängig von Winkeln, Licht, Hindernissen und Videoqualität" habe die Software bei der Gesichtserkennung und -bearbeitung noch Probleme. Wer das in der Vorschau des Videos bemerke, solle es besser nicht öffentlich zugänglich machen. Die Einführung der neuen Funktion sei nur ein erster Schritt.