Bei Google sorgt dieser Satz für Verwirrung. Denn das eigene Geschäftsmodell und die eigene Wertschöpfung sind nach Ansicht des Konzerns auf keinen Fall von Verlagsangeboten abhängig oder in "besonderer Weise" auf sie ausgerichtet. "Die Frage, ob Google von dem Gesetz überhaupt betroffen ist, ist durchaus legitim", sagt Unternehmenssprecher Ralf Bremer. Er verweist auf eine Studie, die aufgrund der Gesetzespläne gerade für Aufmerksamkeit sorgt.

Das Beratungsunternehmen TRG hatte untersucht, wie viele der Suchergebnisse in der Googlesuche auf einen Verlagsinhalt verweisen. Das Ergebnis ist für deutsche Verleger eher ernüchternd. Zwar wird Google für sie immer wichtiger als Lieferant von Besuchern und Klicks, umgekehrt aber spielen sie für Google offensichtlich nur eine kleine Rolle. Zitat aus den Ergebnissen : "92,5% der Google Suchergebnisse gehören nicht zu einem News-Publisher. Nur 8,3% der Ergebnisse auf der wichtigen Google-Ergebnisseite 1 gehören zu 
deutschen Nachrichtenangeboten."

Diese Zahlen treffen noch keine Aussage darüber, wie viel Umsatz Google macht, der direkt oder indirekt auf Verlagsinhalte zurückgeht. Das räumt auch Bremer ein. Doch sind sie zumindest ein Hinweis, dass Google nicht so abhängig von den Verlagen ist, wie diese von Suchmaschinen.

Machtdemonstration

Klar ist, dass viele Verlage, allen voran der Axel-Springer-Verlag und der Burda-Verlag finden, dass sie zu wenig von Google profitieren. In seinem Blog schrieb Springer-Konzerngeschäftsführer Public Affairs Christoph Keese : "Würden die sieben Milliarden Dollar als weltweite Ausschüttung an Verlage stimmen, würden auf Deutschland knapp 700 Millionen Dollar entfallen, da Deutschland geschätzt etwas weniger als zehn Prozent des Google-Weltumsatzes erzielt. Von diesen 700 Millionen AdSense-Dollar sind die deutschen Verlage aber Lichtjahre entfernt."

Daneben gibt es aber noch eine andere Dimension, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt, aber eine Rolle spielt. Denn es geht Verlegern bei dem Wunsch nach einem Leistungsschutzrecht nicht nur um Geld. Es geht ihnen um eine Machtdemonstration. Offiziell lässt sich damit niemand zitieren, aber es geht auch darum, dem Giganten Google zu zeigen, dass er nicht walten kann, wie er will. Eben indem man sich ein Gesetz bauen lässt.

Sollte das umgesetzt werden, werden neben den Verlagen vor allem die Leser betroffen sein. Denn Google könnte sich unter Umständen gezwungen sehen, erst einmal alle Verweise auf deutsche Verlagsangebote zu entfernen, sowohl aus dem Aggregator Google News, als auch aus der Suche. Allein schon, um juristischen Streit zu vermeiden. Anschließend würde der Konzern wohl versuchen, mit den deutschen Verlagen eine Lizensierung zu verhandeln.

Ob Google das wirklich tut, wollte Bremer nicht sagen, das müssten Juristen prüfen. So etwas kann dauern. Genau wie die anschließenden Verhandlungen. Gut möglich also, dass nach dem Streit zwischen Gema und YouTube der nächste jahrelange Kampf droht, der vor allem für die Nutzer lästig ist.

Update: Googlesprecher Ralf Bremer hat ein Zitat über die möglichen Folgen des Entwurfs zurückgezogen, wir haben es daher entfernt. (Kai Biermann)