Ich selbst habe mich auch irgendwann gezwungen gesehen, meinen Blog unter eine freie Lizenz zu stellen, denn unser Gesetz sieht vor, dass es sonst implizit dem reinen Urheberrecht zugerechnet wird. Meine Wahl fiel nicht auf die CC0-Lizenz, obwohl sie meinen Ansprüchen entsprach, denn sie bedeutet quasi den Verzicht aller sich aus dem Urheberrecht herleitenden Rechte. Stattdessen griff ich zu der WTFPL, die "Do What The Fuck You Want To Public License" , die quasi dasselbe tut, denn ich wollte einen möglichst weiten Abstand zwischen mir und der durch die Creative Commons verursachten Verunsicherung schaffen. Bei WTFPL ist der Name Programm, jedes Weiterlesen der Lizenz ist reine Zeitverschwendung. Meine Inhalte sind wirklich frei, jeder darf damit tun und lassen, was er will und man versteht das sofort.

Ein paar Scherzbolde haben daraufhin meine Bloginhalte zu einem E-Book kompiliert, dass sie nun für 10,29 Euro das Stück auf Amazon verkaufen . Der Alptraum jedes CC-NC-Benutzers – und ein Glücksfall für mich. Ich kenne die Verkaufszahlen nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich mit dem Erzählen dieser Story weitaus mehr Geld verdient habe als die "Raubdrucker" durch den Verkauf. An dieser Stelle noch mal ein warmes Dankeschön.

Die CC-Lizenz sagt " some rights reserved " und meint damit: Ich will "freie" Inhalte produzieren und dennoch kontrollieren, was damit geschieht. Es ist die FDP-Version von Freiheit, mit Gartenzaun und Zeigefinger.

Das Netz verödet

Die Creative Commons errichten Wohlfühlinseln für Nerd-Privilegierte im Wahnsinn des Kapitalismus, ganz ähnlich wie die Ökoläden im Prenzlauer Berg. Wer es sich leisten kann, zückt seine LPG-Genossenschaftskarte und benutzt CC-Lizenzen. CC ist elitär und es verhindert die Beschäftigung mit dem eigentlichen Problem: dem unzeitgemäßen Urheberrecht. CC ist eine Brückentechnologie, allerhöchstens, aber wir haben uns darin eingerichtet und den Rest der Gesellschaft vergessen.

Mit dem Internet haben wir die einmalige Chance, in einer Wissensgesellschaft zu leben. Stattdessen leben wir im Urheberrechtsabmahn-Terror und trösten uns mit einer Flut meist minderwertiger CC-Inhalte. Das Netz verödet, Anwälte machen Kasse und wir wollen ernsthaft die Segnungen von 10 Jahren CC-Lizenzen feiern? Was wir brauchen, ist eine radikale Neufassung des Urheberrechts. Was wir brauchen, ist echte Freiheit und echte Rechtssicherheit im Netz, die jeder versteht. Weg mit dem CC-Wischiwaschi und her mit einer echten Urheberrechtsreform.