Karte mit Internetseekablen, die Afrika verbinden

Von den neuen Lösungen profitieren auch die alten. In Kenia, wo M-Pesa entstand, stieg auch die Zahl der klassischen Bankkonten. Seit der mobile Dienst eingeführt wurde, hat sich die Zahl der herkömmlichen Konten vervierfacht. Die gesamte Wirtschaft profitiert, wenn mehr Menschen an ihr teilnehmen können.

Inzwischen haben auch die Hersteller von Mobiltelefonen und Entwickler von Netzdiensten erkannt, wie groß und wichtig der afrikanische Markt ist. Ob Microsoft, Intel oder Facebook, sie alle bauen inzwischen gezielt Produkte für die Region. Nur um festzustellen, dass chinesische Firmen das längst erkannt haben.

Aber nicht nur die Wirtschaft, auch viele andere Bereiche entwickeln sich laut Weltbankstudie dank der Verbreitung von Mobilgeräten und -technik. Denn sie beseitigen eines der größten Hindernisse für Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent: fehlende Informationen.

DrumNet nutzt Bauern und Händlern

Ein Beispiel dafür ist DrumNet, das in dem Weltbank-Bericht ebenfalls lobend erwähnt wird. Zwei Drittel aller Menschen in Afrika leben von der Landwirtschaft. Doch die Infrastruktur ist ineffizient. Bauern kennen Marktpreise nicht und haben Mühe, Handelsplätze zu erreichen, Kunden können nicht beliebig große Mengen der Produkte kaufen, Qualitätskontrollen sind kaum flächendeckend möglich.

DrumNet, das ebenfalls auf SMS basiert, will vor allem Zugang zu Informationen schaffen, um diese Hürden zu überwinden. Bauern können darüber angeben, wie viel sie angebaut und geerntet haben, Händler teilen mit, was sie kaufen und verkaufen. Bauern können so erfahren, welchen Preis sie erwarten können, Händler wissen, welche Mengen an Produkten verfügbar sind. Gleichzeitig dient das System als Bezahlplattform. Banken sind daran interessiert, weil sie über DrumNet erfahren können, wie zuverlässig ein Bauer liefert – was ihm im Zweifel einen billigeren Kredit verschafft.

Inzwischen gibt es viele solcher Angebote. Esoko, eine in Ghana gegründete Plattform, verschickt vor allem Wetter- und Marktberichte. Genau wie beispielsweise mFarm oder Manobi. Ihre Informationen helfen, dass der gesamte Markt stabiler wird und mehr Menschen von ihm profitieren können.

Erste Hilfe

Ähnliche Effekte hat Mobilfunk in der Politik oder im Gesundheitswesen. Auch dort geht es vor allem darum, Informationen zu möglichst vielen Menschen zu bringen. MedAfrica will dabei helfen, Krankheiten zu erkennen und ihre Gefährlichkeit einzuschätzen. Über die App werden Ratschläge zur ersten Hilfe ebenso verbreitet wie Informationen zum nächstgelegenen Krankenhaus. Die App versucht beispielsweise, Fragen von Müttern zur Entwicklung ihrer Kinder zu beantworten, und praktische Tipps zur Ernährung zu geben. Später soll es auch möglich sein, einzelne Ärzte zu finden oder zu erkennen, ob ein Medikament gefälscht ist.

Solche Informationen mögen für entwickelte Informationsgesellschaften banal erscheinen. Für Menschen, die keinen Zugang zu Zeitungen, Büchern und Fernsehen haben, können sie lebenswichtig sein.

Die Infrastruktur im Mobilfunkbereich ist laut dem Bericht aber längst noch nicht ausreichend. Zwar habe sich dank neuer Seekabel und neuer Landleitungen die verfügbare Internet-Bandbreite zwischen 2008 und 2012 verzwanzigfacht. Doch liege Afrika noch hinter anderen Regionen der Welt zurück, vor allem im Bereich Breitband. Auch fehlten oft Spezialisten, um Datennetze aufzubauen und zu warten. 

Es gibt dank mobiler Technik also durchaus ein Wirtschaftswunder in Afrika, allerdings könnte es noch viel größer sein.