Der 3D-Drucker steht noch etwas verloren in der vierten Etage der Zentralbibliothek am Kölner Neumarkt. Aber Bibliotheks-Direktorin Hannelore Vogt ist sichtlich stolz auf ihre neueste Anschaffung. "Ich beobachte die Maker-Szene schon einige Zeit", sagt sie. Dass Kreative sich zusammentun, dass sie neue Techniken lernen, um ihren Visionen Form zu geben – das verkörpert für sie auch die Ideale einer Stadtbibliothek.

Daher gibt es nun in ihrer Bibliothek einen 3D-Drucker der Marke MakerBot. Zwei Mal am Tag wird das Gerät angeworfen, um damit kleine Modelle des Kölner Doms oder eine Teekanne auszudrucken und dem staunenden Publikum zu präsentieren. Jeden Samstag können die Bibliotheksbesucher ihre eigenen Modelle drucken lassen.

So kam schon ein Modellbauer, um sich Teile für sein Modellflugzeug auszudrucken. Eine Designstudentin wollte den Entwürfen für eine Lampe Form geben. "Einmal hat ein Junge sogar sein Zimmer nachmodelliert, sodass er immer ein aufgeräumtes Zimmer vorzeigen konnte", erzählt Babett Hartmann, die die Druckstunden betreut.

Arbeitsplätze für Podcasts geplant

In Deutschland sind erschwingliche 3D-Drucker wie der MakerBot nicht allzu weit verbreitet, da sie frickelig und mit einem Preis von mehr als 1.000 Dollar für viele noch immer zu teuer sind. Öffentlich zugänglich dürften außerdem die wenigsten der Geräte sein.

Einerseits sei ein 3D-Drucker einem normalen Kopierer ähnlich, der ja zur Grundausstattung jeder Bibliothek gehöre, sagt Direktorin Vogt. Andererseits habe die Stadtbibliothek die Aufgabe, jenseits des Konsumzwangs eine Wissens-Infrastruktur zu bieten. Und digitale Fertigung gehört zu dem spannendsten Wissen, das sie derzeit vermitteln könne, sagt Vogt.

Der 3D-Drucker ist dabei erst der Anfang: Vogt hat zwei Räume freigemacht, die nach und nach zu einem sogenannten Maker-Space ausgebaut werden sollen, eine Art Labor, in dem jeder seine Ideen umsetzen kann. So steht in einer Ecke bereits ein elektronisches Klavier. Arbeitsplätze, an denen Musik komponiert und Podcasts produziert werden können, sind geplant. Sogar E-Gitarren will Vogt anschaffen.

Das Klischee von vermufften Bücherregalen, zwischen denen andachtsvolle Stille zu herrschen hat, stimmt für die Stadtbibliothek Köln schon lange nicht mehr. Der dritte Stock der Zentralbibliothek wurde zum Arbeitsraum umgestaltet, in dem Schüler Hausarbeiten oder Projekte recherchieren können.

Im Jahr 2012 wurden 100.000 E-Books ausgeliehen

Überhaupt versucht die Bibliothek, auf die Bedürfnisse der Menschen zuzugehen. Beispielsweise baute sie eine "minibib" in den Kölner Stadtgarten und richtete in Stadtteilbibliotheken Spielstationen für Kinder ein.

Möglich wird das durch die Arbeit von Freiwilligen und durch Förderprogramme. Immer mehr Institutionen erkennen, dass öffentliche Wissensvermittlung im Sinne aller ist. Vogt ist zum Beispiel in einem Expertenbeirat der Stiftung von Bill und Melinda Gates. Auch der Gesetzgeber denkt die Rolle der Bibliotheken neu. So wird Bibliotheken und anderen Bildungseinrichtungen in einem Gesetzentwurf der Bundesregierung das Recht übertragen, verwaiste Werke zu nutzen, deren Rechteinhaber nicht mehr ausfindig gemacht werden können. So bleiben sie der Öffentlichkeit erhalten. Überhaupt kann Digitalisierung für Bibliotheken eine Chance bedeuten.

Auch vor E-Books hat Vogt keine Angst – im Gegenteil. Die Stadtbibliothek gehörte vor fünf Jahren zu den ersten, die über die "Onleihe" auch digitale Werke verlieh. Statt in die Bibliothek zu kommen, können Nutzer von zu Hause aus Bücher oder Zeitungen auf ihren Rechner laden.

geeks@cologne

Noch ist das der kleinere Teil: Ungefähr 100.000 Mal hat die Kölner Stadtbibliothek 2012 E-Books ausgeliehen, gedruckte Bücher wurden mehr als sieben Millionen Mal ausgegeben. Vogt will das ändern. Jeden Freitag bietet die Bibliothek eine E-Book-Sprechstunde an. Dort können sich Leser bei Problemen mit ihren digitalen Lesegeräten helfen lassen.

"Die 20- bis 30-Jährigen sind die stärkste Nutzergruppe in der Stadtbibliothek", sagt Vogt. Um sie anzusprechen, nutzt die Bibliothek auch soziale Medien. Die Bibliothek hat eine eigene Facebookseite, in ihrem Namen wird gebloggt und getwittert.

Und sie hat eine Veranstaltungsreihe namens geeks@cologne gestartet, um die digital Affinen in das Gebäude am Neumarkt zu locken. "Wir vernetzen Leute, damit die wieder Wissen austauschen können", sagt Vogt. "Wir wollen ein Ort des Diskurses sein." Auf diese Weise ist die Bibliothek nicht durch Wikipedia und Google ersetzbar, auch wenn sich dort Informationen viel schneller nachschlagen lassen.