Die Seite selbst soll im Herbst starten, noch zur Bundestagswahl solle es losgehen, hieß es. Ein genauer Termin wurde aber nicht genannt.   

Ziele wurden trotzdem schon festgesteckt, und die sind ambitioniert: Bereits nach den ersten beiden Jahren solle das Angebot kostendeckend sein, sagt Schuh. Außerdem sollen die Zugriffszahlen der Seite in fünf Jahren so hoch sein, dass die HuffPo in den Top-Fünf der deutschen Nachrichtenseiten aufsteigt, wie Jimmy Maiman, CEO der HuffPo, sagte. Dort stehen derzeit bild.de, Spiegel Online, Focus Online, Welt Online und Süddeutsche.de

Damit könnte sich die Tomorrow Focus AG, die auch Focus Online betreibt, im Zweifel selbst Konkurrenz machen. Beziehungsweise das etablierte Produkt ablösen. Denn die US-Seite verfolgt das Prinzip, so billig wie irgend möglich zu produzieren. Viele Texte der Originalversion werden von Freiwilligen geliefert, die dafür kein Geld bekommen. Die Autoren hoffen, dass ihre Stücke sich so weiter verbreiten und mehr Aufmerksamkeit erhalten, als wenn sie sie nur in ihrem eigenen Blog veröffentlichen. 

Blogger und Klicks gesucht

"Wir arbeiten gerne mit Gleichgesinnten, wir arbeiten gerne mit Menschen zusammen, die verstehen, wohin die Reise geht, die die Dinge auf dieselbe Weise sehen wie wir", sagte Jimmy Mayman in einem Video, das von Focus Online veröffentlicht wurde

Focus Online hat laut Impressum allerdings mehr als 50 Mitarbeiter und zahlt für Beiträge, die man einkauft. Sollten mit sehr viel kleinerer Redaktion die gleichen Klicks erreicht werden, wäre es für den Verlag möglicherweise verlockend, Focus Online in seiner bisherigen Form aufzugeben.

Er frage sich allerdings, woher hierzulande 1.000 Blogger kommen sollen, die kostenlos für die HuffPo schreiben, schreibt Wolfgang Michal bei Carta.info.

Auch die Zugriffszahlen sind möglicherweise ein in der gesteckten Zeit unerreichbares Ziel. In Großbritannien lässt sich beobachten, wie schwer es ist, in einem etablierten Markt voller Onlinemedien zu wachsen. Dort ist die Seite im Juli 2011 gestartet. Man habe gerade die Zahl von 2,5 Millionen eindeutigen Besuchern (Unique Visitors) im Monat passiert, heißt es in aktuellen Stellenanzeigen des Verlags. Die Seite der britischen Daily Mail erreicht im Monat 126 Millionen eindeutige Besucher, die des Guardian 77 Millionen, der Telegraph wird von 61 Millionen gelesen. Die Nummer fünf, The Independent, hat immerhin noch 25 Millionen eindeutige Besucher.

Nachtrag: Britische Zeitungen geben ihre Zahlen in der Einheit Unique Browser an. Die wird oft gleichgesetzt mit der Angabe Unique Visitor, auch wenn sie technisch nicht den gleichen Wert abbildet.