Heute Liberty Reserve, morgen Bitcoin? Die Frage, ob das Vorgehen der US-Justiz gegen den Online-Bezahldienst Liberty Reserve ein Vorgeschmack auf einen umfassenden Kampf gegen virtuelle Währungen ist, treibt Journalisten und Kenner der Materie um. Allerdings sind die beiden Währungen grundverschieden, ein Vergleich hinkt also.

Liberty Reserve (LR) ist zwar eine digitale Währung, aber eine wie der Linden Dollar aus Second Life, Facebook Credits oder Amazon Coins. Sie wird – beziehungsweise wurde – einfach nur eingetauscht gegen klassische Währungen wie US-Dollar und von manchen Händlern und Dienstleistern als Zahlungsmittel akzeptiert. Es gibt also so viel davon, wie die Kunden hergeben.

Dagegen müssen Bitcoin und artverwandte virtuelle Währungen wie Litecoin und PPCoin von den Nutzern erst erzeugt werden. Die Gesamtmenge ist jeweils begrenzt: Es wird niemals mehr als 21 Millionen Bitcoins geben, 84 Millionen Litecoins und zwei Milliarden PPCoins. So wurde es von den jeweiligen Entwicklern festgelegt. Diese Währungen sind eher Experimente, in technischer wie gesellschaftlicher Hinsicht.  

Hinter ihnen steckt auch kein Geschäftsmodell. Das ist bei Liberty Reserve anders. Die gleichnamige Firma verdiente an jeder Transaktion mit ihrer Währung. Liberty Reserve führte selbst keine Zahlungen durch, stattdessen mussten Kunden zunächst auf der Website der Firma ein Konto eröffnen. Ihre Identität wurde dabei nicht überprüft.

Anschließend mussten sie, um ihr Konto mit LR aufzufüllen, Geld in "harten" Währungen an Drittanbieter senden. Diese Drittanbieter waren laut Anklageschrift "in der Regel nicht-lizensierte, nicht-regulierte Geldübermittler aus Malaysia, Russland, Nigeria und Vietnam", die ebenfalls keine Kundendaten sammelten. Sie kauften LR in größeren Mengen und verkauften sie dann ihren Kunden, indem sie die entsprechende Menge ihrer LR auf das Liberty-Reserve-Konto des Kunden überwiesen.

Bitcoins sind nicht vollständig anonym

Wollte ein Kunde einen Händler oder Dienstleister – nach Angaben der Behörden in New York waren das vor allem Auftragshacker, Drogenhändler und Verkäufer von gestohlenen Kreditkarten-Daten – in LR bezahlen, ging auch das nur indirekt über die Drittanbieter. Liberty Reserve kassierte jeweils ein Prozent des überwiesenen Betrags, höchstens jedoch 2,99 Dollar, und wenn auch noch die Account-Nummer des Nutzers verschleiert werden sollte, kamen 75 US-Cent dazu. Bei solchen Transaktionen war überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen, wer etwas gekauft hatte.

Bei Bitcoins ist das anders, vollständig anonym, wie immer mal wieder behauptet wird, ist die Crypto-Währung keineswegs. Das gilt fast immer beim Kauf von Bitcoins über die spezialisierten Handelsbörsen, spätestens aber, wenn jemand etwas mit Bitcoins bezahlt. Schließlich muss der Verkäufer einen Teil seiner Anonymität aufgeben, um für seine Kunden erreichbar zu sein. Da alle jemals vorgenommenen Bitcoin-Transaktionen in der sogenannten Block Chain protokolliert und damit nachvollziehbar sind, dürfte es Ermittlern häufig möglich sein, aus den Transaktionen, IP-Adressen und anderen Daten die Beteiligten an illegalen Geschäften zu identifizieren.