"Der klassische Fernseher bleibt auf absehbare Zeit das Frontend Nummer 1", erklärte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga DFL, kürzlich auf der Branchenmesse der Kabelnetzbetreiber, der Anga Com in Köln. Und er sagte seinen Zuhörern, was sie hören wollten: Das altbekannte Geschäft geht weiter.

Dabei musste Seifert sich vorkommen wie der Hahn im Korb: Sein Produkt, der Bundesliga-Fußball, ist für sein Publikum unverzichtbar. Und das macht sich in der DFL-Kasse bemerkbar: 2,5 Milliarden Euro zahlen ihm Pay-TV-Anbieter Sky und die Telekom bis 2017 für die Übertragungsrechte – ungefähr doppelt so viel wie zuvor. 

Dass der Fußball so an der Preisschraube drehen kann, liegt daran, dass neue Marktteilnehmer um die Rechte buhlen. So hatten sich in den vergangenen Jahren Telekom und Sky ein Bieterrennen geliefert, um die lukrativen Premium-Inhalte an den Mann zu bringen. Dafür müssen die Kunden auch tief in die Tasche greifen: Nach Informationen des Focus verdoppeln sich die Preise für die Kunden ab der kommenden Spielzeit.

Wichtiger noch als die Steigerung der Umsätze ist jedoch der Lock-In-Effekt solcher Premium-Inhalte. Wer die Spiele in voller Länge sehen will, muss nicht nur einen Monatspreis bezahlen, er muss auch seinen Fernseher für die Übertragungstechnik ausrüsten – per Telekom-Anschluss mit VDSL, mit Satelliten-Receiver und Pay-TV-Karten oder mit einem Kabel-Vertrag, der Pay-TV einschließt. Wenn die Geräte einmal angeschafft und die Verträge unterschrieben sind, so hoffen die Betreiber, werden die Kunden schon weitere Angebote wahrnehmen.

Konkurrenz durch die xBox

Die Konkurrenz der Inhalte und Plattformen wächst: Immer mehr Digital-Angebote machen es den Kunden immer leichter, klassische TV-Inhalte zu sehen, ohne die herkömmlichen Anbieter zu bezahlen: Online-Videotheken wie Maxdome, Amazons Lovefilm oder der Branchenneuling Watchever bringen Serien und Spielfilme über den Internetanschluss direkt auf den Bildschirm.

Zwar konnten die Rechtewerter bisher erfolgreich verhindern, dass Angebote wie Netflix oder Hulu im lukrativen deutschen Markt angeboten werden, aber nun drängen neue Anbieter auf den Markt. So will Microsoft mit seiner xBox One auch in Deutschland immer mehr zur Zentrale für Multimedia-Inhalte im Wohnzimmer werden – klassische Fernsehinhalte eingeschlossen. Auch Google, YouTube und Apple experimentieren mit dem Fernseh-Markt. 

Wie sich die Branche gegen die Flut der Netz-Konkurrenz wehren will, zeigte zum Beispiel Unitymedia auf der Anga Com: Eine Box namens Horizon soll ab dem Spätsommer den deutschen Kabel-Kunden die Suche nach Alternativangeboten austreiben. Das exklusiv für den Kabel-Anbieter entwickelte Gerät vereint Kabel-Modem, Internet-Router und Telefonanlage mit einem Videorekorder der oberen Kategorie: Gleich sechs HDTV-Tuner sind in dem von Samsung produzierten Gerät verbaut. Damit kann der Kunde vier Sendungen parallel aufzeichnen.