Die Wettbewerber von Apple sind verwirrt. Zumindest behauptet das Tim Cook, der Chef von Apple. "Sie versuchen PCs in Tablets zu verwandeln und Tablets in PCs, mal sehen, was ihnen als nächstes einfällt", sagte Cook am Dienstagabend bei einem Auftritt in San Francisco. Sein Tonfall sollte dabei wohl amüsiert klingen.

Worauf der Apple-Chef so süffisant anspielte, waren die aktuellen Nachrichten, dass sowohl Nokia als auch Microsoft neue leistungsfähige Tablets vorgestellt haben. Doch von solchen Ankündigungen, diese Botschaft wollte Cook offensichtlich übermitteln, lässt sich ein Unternehmen wie Apple natürlich nicht aus der Ruhe bringen, wenn es selbst einige Neuheiten vorstellt: neue Macs und MacBook Pros, neue iPads und … einen Fernseher?

Diese Vermutung gehört mittlerweile zum Standardrepertoire vor Apple-Events, und auch dieses Mal hieß es zuvor, nun werde der Apple-Fernseher wirklich zu sehen sein. Der Journalist MG Siegler hatte dieses Gerücht gestreut, um es dann wieder zurückzunehmen. Das Gerät sei noch nicht so weit, höre er nun von seinen Quellen, schrieb Siegler.

Die einzige Bewegtbild-Überraschung blieb damit, dass Apple die Übertragung seines Events mal wieder im Netz live ausstrahlte. So konnten weltweit Zuschauer dabei sein und verfolgen, was man anzukündigen hatte.

Das waren zum einen die üblichen Polituren an der Hardware wie dem MacBook und MacBook Pro. Die werden technisch aufgerüstet und zum Teil deutlich verbilligt ab Dienstag in den Handel gehen.

3.000 Dollar für einen Mac Pro

Besonders gespannt dürften die meisten Technikfans auf Details zu Apples neuem Desktop-Rechner Mac Pro gewesen sein. Der enthält nach Angaben von Apples Marketingchef Phil Schiller den schnellsten Prozessor, der jemals in einem Mac verbaut wurde – was auch sonst? Und er begeistert angeblich Filmemacher, Fotografen und Musiker, denen Apple das Gerät zum testen gab.

Das Datenblatt dürfte das eine oder andere Nerdherz tatsächlich etwas schneller schlagen lassen, und für einen Auftritt als Killerdroid im nächsten Sciencefiction-Film eignet sich der Mac Pro mit seinem Design auch. 2.999 Dollar soll er in den USA kosten, ein Euro-Preis wird auf Apples Website noch nicht genannt, verkauft wird er ab Dezember.

So weit waren die Ankündigungen durchaus erwartbar. Auch dass Apple sein Betriebssystem OS X gründlich überarbeitet hat, das in der neuesten Version Mavericks heißen wird, war bekannt. Doch dass Mavericks für alle Mac-User auch mit deutlich älteren Versionen ab sofort gratis zum Download bereit steht, war durchaus eine Überraschung. Und nicht nur das: Apple verteilt auch eine ganze Reihe seiner Apps wie die bisher jeweils rund zehn Euro teuren Office-Anwendungen Pages und Keynote, aber auch das Schnittprogramm iMovie und das Musikprogramm Garage Band umsonst. Dabei sind auch diese Anwendungen zum Teil deutlich überarbeitet worden und angepasst auf das neue 64-Bit-System, das etwa auf dem iPhone 5S läuft

Ein Akt der Barmherzigkeit? "Wir wollen, dass alle unsere Kunden aktuelle Software haben", begründete Phil Schiller die großzügige Geste. Dan Primack veranlasste das auf Twitter aber stattdessen zu dem Kommentar, dieser Schachzug sei eher eine Art bitteres Abschiedsgeschenk an den scheidenden Microsoft-Chef Steve Ballmer, schließlich wäre Word als Gratissoftware der Tod für Microsofts Geschäftsmodell:

Tatsächlich muss sich Apple mehr mit der Konkurrenz auseinandersetzen als Tim Cook & Co das zeigen wollten. Da konnte Cook noch so sehr betonen, das iPad sei "zu einem der erfolgreichsten Produkte für Apple und für die ganze Industrie geworden", 170 Millionen Tablets habe Apple bereits verkauft. "Sogar die Zweifler machen jetzt Tablets", sagte Cook. Damit hatte er Recht, allerdings sind Konkurrenten wie Samsung auch sehr erfolgreich damit. Marktforscher sehen Apples Marktdominanz zusehends schwinden

Das alte Kräfteverhältnis soll nun wohl das iPad Air wiederherstellen. Es wiegt nur noch ein Pfund, hat einen 43 Prozent dünneren Rand, ist nur noch 7,5 Millimeter dick, enthält aber mit dem A7-Hauptprozessor und dem M7-Bewegungsprozessor nie gekannte Rechenpower. Dazu bietet es 10 Stunden Akkuzeit, kostet mindestens 479 Euro und ist – natürlich – "wie alle unsere Produkte unglaublich umweltfreundlich", wie Phil Schiller das formuliert. Auch das neue iPad Mini hat nun auch ein besonders detailreiches Retina Display.

Der Verkauf startet ab 1. November und wie schon beim iPhone ist China unter den Ländern, die als Erste beliefert werden. Apple und Tim Cook wollen gleich vom Start weg so viele Kunden wie möglich davon überzeugen, dass das iPad nicht nur ein Unterhaltungsgerät, sondern auch ein kräftiges Arbeitstier ist. Dessen Bürosoftware gibt es ja umsonst dazu. Eine Art flacher PC, könnte man das Konzept umschreiben.