Die virtuelle Währung Bitcoin ist auf dem Weg in den Mainstream. Dafür hat das FBI gesorgt: Anfang Oktober nahm die amerikanische Bundespolizei den virtuellen Handelsplatz Silk Road vom Netz. Laut Anklage sei Silk Road ein "riesiger Schwarzmarkt" für Drogen gewesen, es soll sich um einen der "ausgereiftesten und größten kriminellen Marktplätze im Internet" gehandelt haben. Benutzer zahlten dort nicht in Dollar oder Euro, sondern in Bitcoins. Das FBI fror 26.000 Bitcoins im Wert von 3 Millionen Dollar ein und stellte beim mutmaßlichen Betreiber der Plattform angeblich nochmal Bitcoins im Wert von 28,5 Millionen Dollar sicher.

Doch die verbreitete Annahme, Bitcoin sei in erster Linie eine Währung für Kriminelle und Drogenhändler gewesen, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Das System ist offenbar weniger abhängig von der Plattform als gedacht. Die Schließung der Silk Road scheint vielmehr eine Chance für die Währung zu sein, sich neu auszurichten und ihr Image als zwielichtiges Zahlungsmittel des Dark Web abzulegen. "Die bösen Jungs haben im Prinzip verloren", sagt etwa Fred Ehrsam von Coinbase der New York Times. Coinbase will anderen Unternehmen helfen, Bitcoin als Währung zu akzeptieren.

Bitcoins sind eine alternative Währung, die unabhängig von Banken und Politik entstanden ist. Sie wird nicht von einer Zentralbank ausgegeben, welche die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes reguliert und so Inflation oder Deflation beeinflusst. Computerbesitzer selbst können Bitcoins durch Mining erzeugen, also durch Rechenaktionen mit leistungsfähigen Computern. Jede Transaktion wird in der zentralen Block Chain, einer stetig wachsenden Datenkette, gespeichert.

Bei Silk Road, geschützt durch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, konnte nur in Bitcoins gezahlt werden. Für jede Transaktion war eine Provision in Höhe von acht bis 15 Prozent an die Plattform fällig. "Viele Leute haben gesagt, der einzige Wert von Bitcoins bestehe darin, damit Drogen oder Waffen auf Silk Road kaufen zu können. Wenn sie Recht hätten, müsste der Tauschwert heute bei Null liegen", sagte Jerry Brito der amerikanischen Zeitung LA Times. Er forscht an der George Mason Universität zu der virtuellen Währung.

Die Bitcoin-Währung erholte sich überraschend schnell

Genau das ist aber nicht der Fall. Die Auswirkungen der Schließung von Silk Road auf die Währung waren geringer, als von vielen Beobachtern erwartet. Der Bitcoin-Kurs sackte zwar zuerst deutlich ab, mal ist von 20 Prozent, mal von sieben Prozent die Rede. In Onlineforen äußerten sich panische Nutzer der Silk Road-Plattform: "Was passiert mit der Menge an Bitcoins, die ich in meiner digitalen Brieftasche hatte?", schrieb einer. Ein anderer fragte: "Sie können nicht einfach die Bitcoins von uns allen wegnehmen, oder?"

Die Aufregung war unnötig. Der Wert von Bitcoins erholte sich rasch und stieg innerhalb der letzten Wochen wieder stark. Auf mehreren Handelsplätzen durchbrach er die Marke von 200 Dollar. Ohnehin ist der Kurs höchst volatil, extreme Schwankungen begleiten die Währung seit ihrer Entstehung im Jahr 2009.

"Es war großartig zu sehen, wie all die Mythen enttarnt wurden, Bitcoins würden nur auf der Silk-Road-Plattform benutzt", sagte auch Investor Shakil Khan bei der Berliner Branchenkonferenz TechCrunch Disrupt diese Woche. Das angenommene Abhängigkeitsverhältnis zwischen Bitcoins und Silk Road sei überbewertet worden. "Es hat sich gezeigt: Bitcoin ist nicht auf die Silk Road angewiesen."