Annalena Baerbock sitzt an einem runden Tisch in einem ziemlich leeren Abgeordnetenbüro im Berliner Regierungsviertel und sagt: "Es geht jetzt erst mal um die Hardware." Baerbock, 32 Jahre alt, ist im September für die Grünen in den Bundestag gewählt worden, es ist ihre erste Legislaturperiode.

Wenn Baerbock von Hardware spricht, dann meint sie: Bürostühle, Schreibtische. An beidem fehlt es noch, die Büroräume im Jakob-Kaiser-Haus haben sie und ihr kleines Team erst einmal provisorisch bezogen. In einer Übergangsphase steckt die Abgeordnete aus Brandenburg auch, was ihre Aktivitäten im Internet angeht. Baerbock ist von einer Kandidatin zum Bundestagsmitglied geworden, das bringt viel Verantwortung und vier Jahre erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit mit sich.

Wie auch die 229 weiteren Parlamentsneulinge muss Baerbock sich jetzt überlegen, wie man sich als Abgeordnete im Netz positioniert. Für Baerbock, wie für alle anderen Kandidaten, war das Internet Teil des Wahlkampfs, ohne die sozialen Medien ist kaum einer ausgekommen. Ansporn für die Politiker könnten Umfrageergebnisse wie die des Branchenverbands Bitcom gewesen sein: Mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten hatte in einer Umfrage für die Studie Demokratie 3.0 angegeben, dass sie das Internet für den Ausgang der Bundestagswahl entscheidend halten, bei den 18- bis 29-Jährigen war es fast die Hälfte.

Nahezu alle Abgeordnete sind auf sozialen Netzwerken

95 Prozent aller Abgeordneten des neu gewählten, 18. Bundestags haben mindestens ein Profil in einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder Twitter, schreibt Martin Fuchs vom Hamburger Wahlbeobachter. Im Vergleich zum 17. Bundestag sei das ein leichter Anstieg um etwa fünf Prozent. Besonders beliebt sei Facebook: Rund 62 Prozent der neuen Abgeordneten hätten dort eine Fanseite. Die Zahl der Twitter-Accounts im Bundestagsplenum sei leicht rückläufig, rund 51 Prozent nutzten den Kanal. 

Vor dem 22. September wurde parteiübergreifend gepostet und getwittert, gebloggt und geliked. Es galt, die politische Deutungshoheit auch im Internet zu erringen und sich beim Wähler bekannt zu machen. Jetzt müsste es darum gehen, die Plattformen für einen Dialog mit den Wählern zu nutzen – was allerdings zeitaufwendig ist.

Als Kandidatin hat Baerbock selbst auf ihrer Webseite gebloggt, was sie bewegt und wo sie während des Wahlkampfs war. Dass sie dafür als Abgeordnete noch Zeit hat, bezweifelt sie. "Die Seite wird stark verändert werden, es muss professioneller werden", sagt Baerbock. Mit Twitter könne sie wenig anfangen, dafür habe sie eine Facebook-Fanseite. "Es ist eine Herausforderung, aber ich will das weiter persönlich machen."

Den Anspruch, die eigene Facebook-Seite persönlich zu betreuen, hat auch Birgit Kömpel. Sie ist erstmalige Abgeordnete für die SPD. "Es ist ein Makel, als Politiker nicht auf sozialen Netzwerken präsent zu sein. Das ist unerlässlich heute, wir müssen uns umstellen." Stolz postete die 45-Jährige Bilder von der konstituierenden Sitzung des Bundestags vergangene Woche. Es sei ein bewegender Moment für sie gewesen, bei der Nationalhymne habe sie Gänsehaut bekommen. "Meine Webseite ist noch im Wahlkampfmodus", sagt Kömpel. "Wir sind gerade dabei, sie wieder in Schwung zu bringen." Kömpel will beispielsweise einen Bericht aus Berlin einführen, der jede Plenarwoche aus ihrer Sicht zusammenfasst.