Ein junger Mann starrt in seiner Küche an die Wand, und was er dort sieht, scheint ihm nicht zu gefallen. Von einem Ofenrohr einmal abgesehen, herrscht gähnende Leere oberhalb der Kaffeemaschine. Das will der Mann ändern, und dafür braucht er nur seine Brille.

Ein Griff an das rote Gestell reicht aus und schon führt die Brille einen Farbscan von Wand und Küchenmobiliar durch. Das Ergebnis wird mit dem Angebot einer Shopping-Plattform abgeglichen. Ein braunes Lederportemonnaie? Eher nicht das Richtige. Ein Regal für Tassen? Schon besser, gekauft. Dazu bestellt der junge Mann noch eine "antike Tapete" für 119 Dollar. Derart einfach kann also Shoppen sein, wenn man eine Brille von Google trägt.

So reibungslos schildert das Einkaufen per Google Glass zumindest ein Video des New Yorker Start-ups The Fancy. Die Plattform für ungewöhnliche Designprodukte hat eine Anwendung speziell für die Datenbrille mit dem kleinen Bildschirm über dem rechten Auge entwickelt. Diese Anwendung ist bereits verfügbar und soll das Fotografieren von Objekten ermöglichen und den Abgleich mit der Datenbank, das Sortieren nach ähnlichen Stilen oder bestimmten Farbwelten.

Nutzen können die Glass-App von The Fancy bisher nur wenige Menschen, weil derzeit nur rund 10.000 Modelle der Datenbrille im Umlauf sind, schreibt das Wall Street Journal. Glass wurde zum recht happigen Vorzugspreis von 1.500 Dollar vergeben und zwar nur an ausgewählte "Explorer" und Software-Entwickler. Zu einem niedrigeren Preis und im regulären Handel wird Glass in den USA frühestens im ersten oder zweiten Quartal 2014 verfügbar sein. In Europa könnte es aus datenschutzrechtlichen und technischen Gründen sogar noch deutlich länger dauern. 

Immerhin zeichnet sich schon jetzt ab, wie konkrete Anwendungen für die Brille aussehen könnten, die keine Gläser, dafür aber einen Internetzugang und eine eingebaute Kamera hat – und die nach ihrer Präsentation gleichermaßen massive Datenschutzbedenken wie Hohn und Spott ausgelöst hat.   

So gilt es nach einem Bericht der New York Times als ausgemacht, dass Google die Anbindung der Brille an die Musikabteilung seines Play Stores vollzieht. Möglich war das bereits in der bisherigen Softwareversion. Mit dem anstehenden Update XE12 soll Google Play Music dann offiziell eingebunden werden.