Suchmaschinen sind ein Fenster in unsere Gehirne. Der jährliche Rückblick Googles, von dem Unternehmen Zeitgeist genannt, zeigt somit, wofür sich Menschen wirklich interessieren, was sie wissen wollen von der Welt.

Dass die Deutschen sich in diesem Jahr vor allem für das Pornobuch Shades of Grey, für herumzappelnde Leute beim Harlem Shake und für das iPhone 5s interessierten, ist nicht verwunderlich. Es sagt nur, dass internationale Trends hier selbstverständlich wahrgenommen werden und Teil der deutschen Kultur sind.

Doch Google Zeitgeist sagt mehr: Deutsche sehen gern fern und interessieren sich gerade für solche Sendungen, von denen kaum jemand offen zugibt, dass er sie sieht: Deutschland sucht den Superstar war demnach die meistgesuchte TV-Sendung, Dschungelcamp 2013 schaffte es auf Platz fünf derjenigen Begriffe, die den größten Neugier-Anstieg im Vergleich zum Vorjahr hatten, Promi Big Brother kam auf dieser Neuigkeitenliste auf Platz acht.

Unter den Moderatoren belegt Stefan Raab Platz eins, der sich zwar auch im Feld Politik versuchte, aber doch eher dafür bekannt ist, in Bratpfannen eine Rodelbahn herunter zu fahren. Schwiegermutterliebling Günther Jauch kam dagegen nur auf Platz drei.

Nächste Erkenntnis: Deutsche lieben nach wie vor Schlager, da hilft alle Erziehung durch internationale Musikverlage nichts. Zumindest nicht richtig. Helene Fischer war die meistgesuchte Person des Jahres hierzulande. Zugegeben, sie ist auch überall zu sehen. Fischer füllt bei ihren Konzerten Arenen, sie wirbt für Kräuterbutter, für Haarfarbe und ist auf dem Titel des Bahn-Magazins. Ihre Musik lässt sich beschreiben als die Verbindung von Schlager und Pop und Google gibt ihr recht damit, dass das ein erfolgreicher Weg in die Köpfe der Masse ist.

Die Personen-Liste sagt noch etwas aus: Unter den zehn Menschen, die am meisten gesucht wurden, ist kein Politiker. Und wenn Deutsche sich für Politiker interessieren, dann nicht für die eigenen. Die Suchliste Politiker wird 2013 angeführt von US-Präsident Barack Obama, erst danach kommt Angela Merkel, die alte und neue Bundeskanzlerin.

Philipp Rösler kam immerhin auf Rang vier, Annette Schavan auf die fünf – was aber wohl nur zeigt, dass die meisten Deutschen sich gar nicht für deren Politik interessierten, sondern für deren persönliches Scheitern als Minister und Parteichef beziehungsweise als Ministerin und Uniabsolventin mit aberkanntem Doktortitel.

Dabei war Politik durchaus ein Thema. Die Deutschen wollten beispielsweise wissen, was sie bei der Bundestagswahl wählen sollen. Der Ausdruck Wahlomat führt die Liste der Neuigkeiten an. Die Bundestagswahl 2013 folgt erst auf Platz sieben. Wählen können und wählen gehen sind offensichtlich zwei verschiedene Angelegenheiten.

Was noch? Immerhin, in der Kategorie Nachrichten schaffte es die Bundestagswahl auf den ersten Platz, vor der neugegründeten Partei AfD und dem Hochwasser. Das Neugeborene einer britischen Prinzgemahlin kam dagegen nur auf Platz neun, dabei füllte es gefühlt mehrere Wochen die Titelseiten.

Insgesamt waren es also – neben Fußball natürlich, das bleibt sicher der ewige Favorit der Deutschen – eher die bunten Geschichten und die tragischen Schicksale, die die Menschen bewegten. Politik, Wirtschaftsskandale, Eurokrisen oder gar Überwachung lassen die Leute kalt. Dabei weiß das, was Google weiß, selbstverständlich auch die NSA.

Nun, dann auf ein buntes 2014.