Kriminelle setzen gern auf Angst, um Viren und andere Schadprogramme zu verteilen. Und so haben sich schnell ein paar Betrüger an die Kampagne gehängt, die Abmahnanwälte gegen Pornogucker gestartet hatten. Seit Kurzem kursieren hierzulande Spam-Mails, die wie eine Abmahnung formuliert sind und dazu verführen sollen, den Anhang der Mail zu öffnen.

Das Wichtigste zuerst: Es sind, wie gesagt, Spam-Mails, die ohne zu zögern sofort gelöscht werden können und auch gelöscht werden sollten.

Zur Geschichte: Eine Firma namens The Archive AG aus der Schweiz, die Rechte von Pornofilmen verwertet, hat unter etwas dubiosen Umständen Abmahnungen an deutsche Internetnutzer verschickt. Die Abmahnungen sind durchaus echt und erreichten jene, die beim Porno-Streaming-Portal Redtube bestimmte Filme geschaut haben.

Inzwischen hat das Landgericht Köln, das an dem Verfahren direkt beteiligt ist, in einer Stellungnahme indirekt eingeräumt, die Abmahnungen könnten unter Umständen ungerechtfertigt sein. Das Gericht weist darauf hin, dass gegen die Abmahnungen Widerspruch möglich ist. Nichtsdestotrotz sind sie verschickt und die Betroffenen müssen sich nun einzeln dagegen wehren.

Persönliche Anrede

Die E-Mails aber, die derzeit mit dem Betreff "Abmahnung Urheberrechtsverletzung" kursieren, und die sich auf den Fall beziehen, sind eine Fälschung. Und nicht einmal eine gut gemachte. Zwar sind sie persönlich adressiert und in der Anrede steht der korrekte Name des Mailempfängers. Doch die darin gemachten Angaben sind Unsinn.

So wird als Zeitpunkt der angeblichen Urheberrechtsverletzung meist ein Datum in der Zukunft genannt und die angebliche IP-Adresse, von der aus der Verstoß begangen worden sein soll, hat nichts mit dem Empfänger zu tun. Absender sind kryptische Adressen oder auch solche von eigenen Freunden, nie aber irgendeine, die auf eine Anwaltskanzlei schließen lässt.

Das Ganze dient allein dazu, dem Empfänger Angst einzujagen und ihn dazu zu bringen, auf den Anhang zu klicken, der einen Virus enthält. Den sollte man selbstverständlich nicht zu öffnen versuchen.

Wortlos löschen

Es ist auch nicht ratsam, auf die Spam-Mails mit einem Reply zu antworten – das empfiehlt die Kanzlei U + C Rechtsanwälte auf ihrer Website. Die Kanzlei hat die echten Abmahnungen verschickt und wird nun von den Betrügern in der Spam-Mail als Absender genannt. Bei U + C steht: "Sie können dem Sender der Email antworten und ihm mitteilen, dass höchstwahrscheinlich sein Email-Konto und möglicherweise auch der komplette Computer gehackt wurde."

Grundsätzlich sollte man nie auf Spam antworten. Mailabsender lassen sich fälschen und der Spammer weiß sonst, dass er eine Mailadresse erwischt hat, die aktiv ist und die tatsächlich von jemandem genutzt wird. Neuer Spam ist damit sehr wahrscheinlich.

Wortlos löschen ist die beste Reaktion. Dass die Mails Quatsch sind, lässt sich allein schon daran erkennen, dass Abmahnungen üblicherweise mit der Post kommen.

Der Spam hat übrigens einen Nebeneffekt: für die Kanzlei U + C. Deren Server sind nun immer mal wieder überlastet, weil so viele Menschen wütend ihre Abmahnmails an die Kanzlei weiterleiten. Auch die Telefonleitungen brechen zusammen, weil sich so viele über die Abmahnungen beschweren. Aber dass die Spam-Aktion ein Racheakt eines tatsächlich Abgemahnten war, ist sicher nur eine Verschwörungstheorie.

Korrektur: Ursprünglich stand in dem Beitrag, dass per E-Mail verschickte Abmahnungen nicht rechtsgültig sind. Doch gibt es ein Urteil des Landgerichts Hamburg, dass auch Abmahnungen per E-Mail rechtsgültig sind. Die Beweislast, dass eine Mail nicht angekommen ist, hat demnach der Abgemahnte zu tragen.