Mit einer Flunkerei fing es an. Thomas Serval glaubte seiner kleinen Tochter nicht, dass sie die Zähne geputzt hatte – konnte es aber nicht kontrollieren. Das brachte den damaligen Google-Mitarbeiter auf eine Idee: eine Zahnbürste, die mit Sensoren die Putzaktivitäten misst und ans Smartphone des Vaters funkt. Das Resultat zeigt der Franzose derzeit auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas: Die erste vernetzte Zahnbürste, die für 100 bis 200 Dollar auch Erwachsene zur Hygiene motivieren soll.

Wer keinen Spaß an technischen Spielereien hat, wird das Gerät vielleicht seltsam finden. Doch es steht für einen Trend, der weit über das Nerd-Badezimmer hinausreicht: Auf der CES, die in der Branche traditionell die Themen fürs neue Jahr vorgibt, werden so viele vernetzte und smarte Produkte zu sehen sein wie noch nie.

Abermillionen von Notebooks, Tablet-Computer und Smartphones sind längst online. Doch das Internet wächst weiter: Auch Heizungen und Türschlösser, Backöfen und Wäschetrockner lassen sich heute anschließen, das Auto sowieso – Sensoren und Sender machen es möglich. So können Nutzer mit einer App den Tankstand abfragen oder auf dem Heimweg das Wohnzimmer anheizen, beim Joggen den Blutdruck messen und aus der zweiten Obergeschoss den Trockner im Keller starten. Geht es nach der Technologiebranche, wird in Zukunft alles smart.

Nun reden die Hersteller schon seit Jahren vom vernetzten Haus, am besten samt Kühlschrank mit Internetanschluss, der rechtzeitig Milch nachbestellt – und verschweigen lieber die Verkaufszahlen. Doch es spricht viel dafür, dass viele smarte Objekte in den nächsten Jahren tatsächlich die Welt erobern. Denn inzwischen steht alles für die Vernetzung bereit: Billige Sensoren und Sender, schnelle Internetverbindungen – und das Smartphone als Fernbedienung für die digitale Welt. Fortschritt ist auch bei den Standards zum Datenaustausch zu erwarten.

Sensoren sind mittlerweile billig und allgegenwärtig

Sensoren sind die Sinnesorgane der smarten Produkte. Die Zahnbürste etwa misst die Putzbemühungen mit Bewegungs- und Lagesensoren. Doch die Fühler können längst mehr: Sie bestimmen den Ort, messen Töne, Licht und Temperatur, aber auch Herzschlag, Leitfähigkeit der Haut und Muskelaktivität. "Man kann Sensoren zu deutlich niedrigeren Preisen als früher einbauen", sagt Shawn DuBravac, Chefökonom des US-Branchenverbandes CEA. Konnektivität werde dadurch zu einem Standard-Feature. Praktisch alles kann vernetzt werden.

Einen Blick in diese Zukunft offenbart die CES schon 2014: Da sind Fitness-Uhren zu sehen, die Puls und Blutdruck messen; T-Shirts, die den Schlaf des Babys überwachen; oder Wetterstationen mit Smartphone-App. In der Industrie helfen die Sensoren, Schäden zu verhindern: So gibt es Raffinerien, in denen Sensoren aufpassen, ob alle Leitungen dicht sind.

Smartphone als Steuerungszentrale

Die Sensor-Revolution krempelt auch die Produktion um. Weil die Komponenten so billig sind, können auch Start-ups selbst Hardware entwickeln – angesichts der hohen Kosten war bislang war das den großen Konzernen vorbehalten. Mit ihren Ideen drücken die kleinen Hersteller in diesem Jahr der CES ihren Stempel auf.

All das würde jedoch nicht funktionieren ohne eine Fernbedienung: das Smartphone. "Das Smartphone ist der ausschlaggebende Treiber, um die Vernetzung zu ermöglichen", sagt Christian Deilmann, Geschäftsführer des deutschen Start-ups Tado. Das Unternehmen macht es vor: Es stellt eine Heizungssteuerung her, die sich auf die Gewohnheiten der Nutzer einstellt, aber auch per App aus der Ferne bedienen lässt. "Wenn ich nur über den PC die Heizung an- und ausschalten könnte, wäre das unpraktisch. Erst mit dem Handy wird das Konzept interessant", sagt Deilmann.