Google hat sich mit Nest einen neuen Zugang zum Leben seiner Nutzer gekauft. Die selbstlernenden, per App steuerbaren Rauchmelder und Thermostate von Nest hängen in den Häusern von Menschen, die vermutlich alle irgendein Google-Produkt nutzen, aber eben nur am Computer oder über ihr Smartphone. Google braucht solche Zugänge, um seine Vision von der Zukunft zu verwirklichen: das omnipräsente Internet als Freund und Helfer des Menschen. Anders gesagt: Google und Thermostate – da wächst zusammen, was aus Sicht des Unternehmens zusammen gehört.

Seit Jahren macht das Unternehmen deutlich, dass es zentraler Bestandteil des Internets der Dinge sein will. "Stellen Sie sich einen voll vernetzten Wohnraum vor", sagte Verwaltungsratschef Eric Schmidt zum Beispiel schon 2012, als er Googles Vorstellung von den nächsten fünf bis zehn Jahren präsentierte. "Technik wird einfach alles durchtränken", und das Internet werde alles sein und nichts, so omnipräsent wie heute die Elektrizität.

Um omnipräsent sein zu können, braucht der Software-Konzern Google physische Manifestationen: Sensoren, die jene Daten liefern, die Google bisher nicht hat. Thermostate und Rauchmelder können solche Daten liefern, über Lebensrhythmen, individuelle Vorlieben, Tagesabläufe.

Auch in Autos kann Google solche Daten sammeln. Die Kooperation mit Audi und anderen Herstellern, verkündet auf der CES in Las Vegas, dient genau dazu.

Alles, was Google hilft, besser zu verstehen, wie Menschen leben, hilft Google auch, zielgerichtete Werbung zu verkaufen. Und damit – und mit praktisch nichts anderem – macht Google sein Geld.

Dass Google für Nest mehr als drei Milliarden Dollar ausgibt – geschenkt. Der Konzern hat Bargeldreserven in Höhe von rund 57 Milliarden Dollar. Früher oder später hätten die Aktionäre etwas davon abhaben wollen oder Google gedrängt, schneller voranzugehen als es die Konkurrenz tut.

Genau das tut Google nun. "Viele Konkurrenten scheinen in der Gegenwart festzustecken", schreibt Nick Bilton der New York Times. Google tickt anders. Es investiert in Dinge, die heute verrückt klingen, aber morgen Alltag sein könnten.

Larry Page, der Mitgründer und CEO, will es so. Er denkt langfristig, weshalb Nest auch nicht sofort voll integrierter Teil des Google-Netzwerks werden muss.