Das offene Betriebssystem Ubuntu wird künftig mit einer integrierten Suche für Torrents ausgestattet sein. Wofür Filesharer heute noch Websites wie The Pirate Bay brauchen, soll in Zukunft die Suchzentrale in Ubuntu genügen. Für Ubuntu-Nutzer wird es damit noch einfacher, freie Software, Spiele oder Musik im Netz zu suchen und herunterzuladen – oder urheberrechtlich geschütztes Material.

Mark Shuttleworth, Gründer des Ubuntu-Projekts, will es so. Auf die Idee gebracht hat ihn David Callé, einer der vielen freien Entwickler der Linux-Welt. Callé hat ein Zusatzprogramm für die Linux-Distribution Ubuntu gebastelt, das die Suchergebnisse von The Pirate Bay anzeigt, wenn der Nutzer vor den eigentlichen Suchbegriff "ahoy" schreibt. Sein Ziel ist die Verbreitung der Freien Kultur. Shuttleworth ermutigte ihn öffentlich, das Programm weiterzuentwickeln. Die Torrent-Suche sei "super-nützlich" und absolut geeignet, um künftig zur Grundausstattung von Ubuntu zu gehören.

Torrents sind kleine Dateien, die wie Wegweiser funktionieren. Fragt ein Nutzer in einem Torrent-Netzwerk nach einer bestimmten Datei, wird er über die Torrents zur Datei geleitet und kann diese dann herunterladen. Anders als bei Diensten wie Kim Dotcoms Mega oder dem Streaming-Dienst kinox.to gibt es bei Torrent-Netzwerken keine zentralen Server. Jeder Nutzer ist gleichzeitig auch Anbieter von Musik, Videos oder Software.

"Für kleine Entwickler sind Torrents eine Riesenchance"

Wer das Torrent-Netzwerk nutzen will, braucht dazu ein Programm, Client genannt, und eine Suchmaschine für die Torrent-Dateien. Der Client ist bereits in jede Ubuntu-Version integriert und heißt Transmission. Die bekannteste Suchmaschine für Torrents ist The Pirate Bay. Bislang mussten Nutzer nun in aller Regel erst die Torrents bei einer solchen, externen Suchmaschine finden, herunterladen und dann in ihren Client eingeben. Das ginge nach der Integration von Callés Programm ins Betriebssystem deutlich schneller und unkomplizierter. 

"Es ist eine Riesenchance für kleinere Entwickler und Software-Firmen, ihre freie Software unter die Leute zu bringen", sagt Torsten Franz. Franz ist Vorsitzender des Vereins ubuntu Deutschland, der die Seite ubuntuusers.de betreibt. Gerade Linux-Systeme wie Ubuntu basieren auf dem Einfallsreichtum der eigenen Szene. Veröffentlicht werden die Programme der Entwickler meist kostenlos und Open Source. Das heißt, der Programmcode kann von jedem offen eingesehen werden, um ihn zu verbessern. Die Nähe Ubuntus zum Torrent-Netzwerk könnte nun den Austausch der Software entscheidend erleichtern.

Ubuntus Suchzentrale soll ausgebaut werden

Entwickler können zwar schon jetzt über sogenannte Fremdquellen ihre Anwendungen dem Ubuntu-Nutzer anbieten. Über das Torrent-Netzwerk ginge dies aber direkter. Noch mehr Vorteile bietet die Torrent-Suche bei plattformübergreifender Software. Das sind Programme, die unter verschiedenen Betriebssystemen laufen, also etwa unter Windows und Ubuntu. Auch hier könnte das Torrent-Netzwerk ein wichtiges Bindeglied werden. 

Die Strategie von Shuttleworth zielt seit Langem auf den Ausbau der großen Suchzentrale in Ubuntu, Unity-Dash genannt. Sie verfügt über verschiedene Suchfilter für Videos, Musik, Software und sucht online wie auch lokal nach den entsprechenden Dateien. Zuletzt listete die Suche bereits Inhalte von Soundcloud und Amazon auf. Das Torrent-Netzwerk nutzt Ubuntu bislang nur zur Verteilung des eigenen Betriebssystems. Der Vorteil: Es braucht keinen zentralen Server. Das spart Kosten.