Berlin hat nun einen Bitcoin-Automaten. Er thront auf einem Fellvorleger im Room77, einer Kneipe in Kreuzberg. Und er ist erst einmal kaputt. Es ist Mittwochabend und massive Onlineattacken auf die Site blockchain.info verhindern, dass der Automat an seine dort gelagerte digitale Geldbörse (Wallet) gelangt.

Aufgestellt hat den Automaten der Betreiber des Room77, Jörg Platzer. "Wir wollen es mit dem Automaten einfacher machen, an Bitcoins zu kommen. Nebenbei fördern wir damit auch die Bitcoins in Kreuzberg", sagt er.

Wer Bitcoins haben wollte, musste bislang einen lokalen Händler finden oder auf einer der großen Börsen wie MtGox welche kaufen. Beides verlangt viel Vorwissen und mitunter die richtigen Kontakte. Mit dem Bitcoin-Automaten liegt die Hürde nun sehr viel niedriger. Wenn er denn wieder funktioniert.

Bitcoin-Automaten gibt es seit dem vergangenen Jahr. Der erste wurde in Vancouver aufgestellt, dann folgten New York, Bratislava, Stockholm und andere Städte. In Vancouver wurden den Betreibern zufolge in den ersten Tagen 100.000 Dollar in Bitcoins getauscht. Es gibt also offenbar einen Bedarf nach einem vergleichsweise simplen Zugang zu Bitcoins.

Die Automaten funktionieren meist ähnlich: Beim Berliner Modell von Lamassu zeigt der Nutzer dem Automaten nur den QR-Code seiner Wallet. Die Wallet ist eine App und funktioniert wie ein digitales Porte­mon­naie. Der Nutzer verwaltet mit ihr die Bitcoins auf seinem Smartphone. Jeder Nutzer hat mindestens eine Bitcoin-Adresse. Nachdem der Automat den QR-Code des Nutzers gelesen hat, weiß er also, wer Bitcoins haben möchte. Anschließend füttert man den Automaten mit der entsprechenden Summe Bargeld. Ist das Geld eingezahlt, drückt man nur noch auf Senden und der Automat bucht die Bitcoins auf die gescannte Bitcoin-Adresse.

Den aktuellen Wechselkurs bezieht er dabei von der Börse Bitstamp. Bei einem Bitcoin wären das nach derzeitigem Stand gut 460 Euro. Manche Bitcoin-Automaten behalten bei solchen Transaktionen bis zu fünf Prozent der Wechselsumme für sich. Daran verdient der Betreiber. In Berlin ist das anders: "Wir haben das hier aus Idealismus gemacht, nicht weil wir die große Kohle wollen", sagt Platzer, "und natürlich, um zu experimentieren." Deshalb hat er die tägliche Summe, die ein Nutzer tauschen kann, auch auf 100 Euro beschränkt. Platzer sagt, er habe keine Lust, jeden Tag 10.000 Euro zur Bank zu schleppen.

Der Automat lockt Bitcoin-Neulinge an

Aber noch etwas ist anders: Der Automat im Room77 bekommt die Bitcoins nur von anderen Nutzern überwiesen, er kauft sie nicht an der Börse. Andere Nutzer sind zum Beispiel Platzer selbst, Bitcoin-Händler, Menschen vom Bitcoin-Stammtisch oder aus dem Bitcoin-Kiez. Der Transfer des Bargelds läuft dann über Platzer, der das Geld im Automaten an die Einzahler verteilt.

Bitcoins waren lange mehr soziologisch-technisches Experiment als ernstzunehmende Währung; digitales Geld, das auf Kryptografie basiert. Dezentral und pseudonym dazu. Zuletzt ist Bitcoin immer populärer geworden und hat immer mehr Neugierige angelockt. Mit den ersten Bitcoin-Automaten wächst ihre Zahl weiter. Nun kommen vor allem jene, denen die Währung bislang zu kompliziert war.