Es ist selten, dass ein Unternehmen die Kundschaft dazu bewegen will, auf ein Produkt zu verzichten. Doch Microsoft fährt derzeit so eine Kampagne: "Helfen Sie Ihren Freunden und Ihrer Familie, von Windows XP loszukommen", bittet der Software-Konzern in einem Blogpost.

Für dieses ungewöhnliche Anliegen gibt es einen guten Grund. Am 8. April beendet der Hersteller die Unterstützung für das überalterte, aber immer noch beliebte Betriebssystem. Das heißt: Er liefert den Nutzern keine Updates mehr und lässt damit auch neu entdeckte Sicherheitslöcher offen. Um sich vor Datendieben zu schützen, müssen Nutzer umsteigen – auf ein aktuelles Windows, wie Microsoft es empfiehlt, oder auch auf ein anderes Betriebssystem. Doch Millionen von privaten Anwendern und Unternehmen werden die Umstellung wohl nicht rechtzeitig schaffen.

Windows XP ist ein lebendes Fossil: Das Betriebssystem kam 2001 heraus, also in der Kreidezeit der Computer. Viren und Würmer gab es zwar, aber sie suchten sich meistens andere Verbreitungswege als das Internet – nur wenige Nutzer waren damals online. Die beliebtesten Datenspeicher waren CD-ROMs und Disketten.

Mit 13 Jahren ist das System schon ein Dinosaurier

"Windows XP ist in einer Zeit entwickelt worden, als wir ganz andere Anforderungen an ein Betriebssystem hatten", sagt Oliver Gürtler, der bei Microsoft Deutschland das Windows-Geschäft verantwortet. Es sei daher sehr aufwendig, das System für die heutige Anforderungen aufzurüsten. Nach 13 Jahren – in der IT-Welt eine Ewigkeit – will Microsoft den Dinosaurier daher aussterben lassen.

Auch wenn der Software-Konzern etwas Verkaufsförderung für das bislang wenig populäre Windows 8 gut gebrauchen kann: Die Warnung ist mehr als berechtigt. Schon jetzt ist XP nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Wenn Microsoft sicherheitskritische Fehler nicht mehr behebt, dürfte das Problem dramatisch werden.

Systeme mit XP seien "anfällig für Cyber-Angriffe und massiv gefährdet", warnt Tim Griese vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die BSI-Experten befürchten, dass Cyber-Kriminelle Angriffsprogramme für das Uralt-System – sogenannte Exploits – bewusst bis April zurückhalten, damit Microsoft kein Gegenmittel mehr entwickelt. "Mit Mechanismen des Betriebssystems sind diese Angriffe dann nicht mehr abzuwehren", warnt Griese.

Dass mehrere Anbieter von Anti-Virus-Software XP weiter unterstützen, hilft nur bedingt gegen potenzielle Angreifer. Die aktuellen Viren-Signaturen identifizieren zwar bekannte Schädlinge, aber sie schließen keine Sicherheitslücken. "Das reicht nicht aus", warnt Microsoft-Manager Gürtler. Das gelte auch für die Software Security Essentials aus eigenem Haus.

Trotz der erheblichen Gefahren geht die Umstellung jedoch nur schleppend voran.

Auf rund 30 Prozent aller PCs läuft immer noch XP, wie eine Erhebung des Marktforschers Netapplications zeigt. Damit ist die 2001 veröffentlichte Software immer noch das zweitbeliebteste Betriebssystem und deutlich weiter verbreitet als etwa das neue Windows 8. Bei der Umstellung ist also noch viel zu tun.