Inhalte aus dem Netz auf den TV-Bildschirm bringen, darum geht es den Herstellern der sogenannten Smart TVs seit Jahren. In der Praxis überzeugt die Umsetzung nur selten. Oft scheitern die Geräte an der umständlichen Bedienung sowie der mangelnden Unterstützung beliebter Dienste. Der Chromecast von Google ist eine vor allem kostengünstige Alternative: Mit dem kleinen HDMI-Stick lassen sich sowohl ältere TV-Geräte mit einer Internetfunktion nachrüsten, als auch Inhalte von Smartphone oder Laptop auf den Fernsehbildschirm übertragen.

In den USA ist das Gerät ein Überraschungserfolg. Seit der Markteinführung im vergangenen Sommer befindet sich der Chromecast unter den drei Bestsellern in Amazons Elektroniksparte. Das Unternehmen habe "bereits Millionen Geräte verkauft", sagte der für Chrome und Android verantwortliche Google-Manager Sundar Pichai kürzlich auf dem SXSW-Festival.

Ab sofort ist Chromecast auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern erhältlich. Im Handel kostet das Gerät zurzeit 35 Euro – deutlich weniger als Konkurrenzprodukte wie Apple TV. Aber erfüllt es auch die gleichen Funktionen?

Installation in drei Minuten

Die Installation des Chromecast ist einfach. Der Stick kommt in einen HDMI-Eingang, wie ihn jeder halbwegs moderne Fernseher besitzt. Die Stromzufuhr erfolgt entweder über das mitgelieferte Netzteil oder, falls vorhanden, über einen USB-Anschluss direkt am TV-Gerät.

Für die anschließende Installation müssen die Nutzer zunächst die entsprechende App auf der Website oder im App-Store runterladen. Die Einrichtung funktioniert über ein Smartphone, einen Laptop oder einen Desktop-Rechner. Bei letzterem ist allerdings zwingend ein WLAN-Adapter erforderlich. Wer seinen Computer über ein Netzwerkkabel angeschlossen hat, kann den Chromecast nicht einrichten und muss auf ein Handy oder Laptop zurückgreifen. Einmal konfiguriert, funktioniert das Streaming von Inhalten über das lokale Netzwerk aber auch vom Rechner aus.

Nachdem der Chromecast mit einem Namen versehen und mit dem WLAN-Passwort gefüttert wurde, erfolgt ein kurzes Update auf die aktuelle Version. Ein ebenso schicker wie schlichter Startbildschirm begrüßt die Nutzer anschließend: Das Gerät sei startklar und ready to cast.

Die Inhalte kommen vom Smartphone oder PC

An diesem Punkt zeigt sich der Unterschied zu traditionellen Set-Top-Boxen wie Apple TV oder dem in den USA sehr erfolgreichen Roku. Während sich die so beliebten Dienste wie Netflix, iTunes, Hulu und YouTube bereits integriert haben und sich per Fernbedienung auf dem Fernseher steuern lassen, handelt es sich bei Chromecast um einen reinen Streaming-Stick. Die Inhalte kommen von Apps auf dem Smartphone, Tablet oder PC. Sie müssen die Chromecast-Technologie unterstützen.

Zurzeit unterstützt Chromecast laut der Android-App Cast Store etwa 100 Apps. Zu den offiziellen Partnern zählen Entertainment-Plattformen wie Netflix, HBO, das Internetradio Pandora und natürlich Google-Dienste wie YouTube und Google Play. In Deutschland unterstützt das On-Demand-Portal Watchever bereits Chromecast, der Konkurrent Maxdome möchte bald nachziehen.

 Streaming per Knopfdruck

Ist der Chromecast einmal eingerichtet, erscheint in den jeweiligen Apps ein Symbol, über das sich die aktuellen Videos, Lieder oder Bilder auf den Bildschirm übertragen lassen. Im Test mit YouTube dauerte es nur wenige Sekunden, bevor das Video auf dem Fernseher erschien. Über die App kann die Wiedergabe anschließend pausiert und die Laustärke eingestellt werden.

Chromecast bezieht die Daten dabei nicht vom mobilen Gerät, sondern direkt vom jeweiligen Anbieter. Wer etwa einen Film über Netflix oder Watchever über sein Handy oder Tablet an Chromecast schickt, kann deshalb gleichzeitig andere Anwendungen benutzen. Der Stream läuft im Hintergrund.