Für Blogger liest sich die Nachricht so, als fielen dieses Jahr Weihnachten und Ostern zusammen: Getty Images, die weltgrößte Bildagentur, gibt 35 Millionen Bilder zur nichtkommerziellen Nutzung frei. Blogger und Betreiber von Websites müssen nicht länger das Netz nach passenden Bildern mit einer Creative-Commons-Lizenz  durchforsten.

Unser Content ist ohnehin überall – ungeachtet des Urheberrechts – also geben wir es frei. So ließe sich die Position von Getty zusammenfassen, sagt ein Firmenvertreter gegenüber The Verge. Ab sofort können alle Bilder mit dem entsprechenden Embed-Symbol aus der Datenbank kostenlos in nichtkommerzielle Webseiten eingebunden werden. Sie bekommen eine Bauchbinde mit Angaben zum Fotografen und Urheberrecht – und einen Link zu Getty Images. Verfügbar ist ungefähr die Hälfte des Archivs. Nur wenige Bilder sind aktuell, genug Material für Symbolbilder ist aber vorhanden.


Doch was bedeutet eigentlich "nichtkommerziell"? Getty verbietet die Verwendung von Bildern für "jegliche gewerbliche bzw. geschäftliche Zwecke". Auch der Einsatz auf eine "diffamierende, pornographische oder anderweitig ungesetzliche Weise" ist verboten. Die Bilder dürfen ohnehin "nur zu redaktionellen Zwecken, also im Zusammenhang mit Ereignissen, die berichtenswert und von öffentlichem Interesse sind" verwendet werden.

Diese Bestimmungen bieten einen großen juristischen Spielraum. Gilt eine Webseite etwa als kommerziell, wenn sie Google-Anzeigen schaltet und einen moderaten Gewinn abwirft? Das British Journal of Photography zitiert einen Getty-Vertreter, der das verneint. Ob es dabei bleibt, weiß nur das Getty-Management.  

Wer soll das Embed-Angebot nutzen?

An wen richtet sich also das Angebot von Getty Images? Spamblogger, die bislang Getty-Bilder geklaut haben, werden es auch weiterhin tun. Jede halbwegs seriöse redaktionelle Verwendung von Embeds, auch im nichtkommerziellen Kontext, ist im Grunde ausgeschlossen. Denn es gibt keine Garantie für die dauerhafte Verfügbarkeit. Es ist möglich, dass Getty ein eingebundenes Bild ohne Vorankündigung wieder aus dem Embed-Angebot zurückzieht.

Dazu kommt Werbung, auf deren Inhalt der Seitenbetreiber keinen Einfluss hat. Dieses Recht räumt sich die Bildagentur ausdrücklich ein. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen offenbart noch mehr. Die Bildagentur darf nämlich nicht nur Werbung schalten. Sie ist "berechtigt, Daten im Zusammenhang mit der Nutzung des eingebetteten Viewers und eingebetteter Getty Images-Inhalte zu erfassen". Und Getty behält sich vor, diese Daten auch kommerziell auszuwerten.