Die insolvente Bitcoin-Börse Mt.Gox sieht einem Zeitungsbericht zufolge keine Chancen mehr auf eine Rettung und will ihre Geschäfte daher gänzlich auflösen. Das Unternehmen habe vor Gericht in Tokio einen Antrag zur Abwicklung des einst weltgrößten Handelsplatzes für die Internet-Währung eingereicht, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. 

Es fehle an realistischen Rettungsplänen, hieß es zur Begründung. Außerdem sei die Insolvenzverwaltung so schwierig, weil die Gläubiger in aller Welt verstreut seien und deshalb kaum zu gemeinsamen Besprechungen zu versammeln seien. Die Anwälte der Börse wollten sich nicht dazu äußern.

Wird der Antrag angenommen, werde ein neuer Manager den Mt.Gox-CEO Mark Karpelès ersetzen, schreibt die Zeitung. Karpelès soll vor einer Anti-Geldwäsche-Einheit des US-Finanzministeriums aussagen, weigert sich aber, der Vorladung zu entsprechen und in die USA zu fliegen. Obwohl es keine Anklage gegen ihn gibt, fürchte er, in den USA verhaftet zu werden, sagte eine informierte Person dem Wall Street Journal – entweder wegen Betrugsverdacht nach dem Zusammenbruch der Handelsplattform oder wegen möglicher Verbindungen zur Silk Road, dem vom FBI geschlossenen Online-Handelsplatz für Drogen.

Mt.Gox meldete im vorigen Monat Insolvenz an, nachdem dem Unternehmen zufolge nach einem Hackerangriff etwa 850.000 Bitcoins im Wert von derzeit etwa 454 Millionen Dollar verschwunden waren. Im März teilte die Börse mit, sie habe 200.000 Bitcoins in einem elektronischen Portemonnaie wiedergefunden, das ein älteres Format habe. Dies weckte Hoffnungen, die Kunden könnten wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückerhalten.

Bitcoins sind seit 2009 im Umlauf. Sie sind die bekannteste einer ganzen Gruppe von neuen digitalen Währungen, mit denen unabhängig vom traditionellen Bankensystem gehandelt wird.