Facebook will seinen Nutzern angeblich ermöglichen, sich untereinander Geld zu überweisen. Eine entsprechende Lizenz für Europa werde Facebook in wenigen Wochen bekommen, schreibt die Financial Times. Was so einfach und in gewisser Weise auch einleuchtend klingt, wäre für Facebook eine gigantische Herausforderung.

Zunächst eine Klarstellung: Facebook wird mit der Lizenz nicht plötzlich zur Bank. Das Unternehmen bekommt, wenn der Bericht der Financial Times stimmt, keine Vollbanklizenz. Stattdessen wird Facebook zu einem sogenannten e-Geld-Institut. Die Nutzer dürften dann Geld in eine Facebook-eigene Währung (wie die mittlerweile wieder abgeschafften Facebook Credits) umtauschen und damit innerhalb von Facebook Waren oder Dienstleistungen bezahlen – oder sich die Credits gegenseitig überweisen.

Was genau Facebook vorhat, weiß auch die Financial Times nicht. Aber in jedem Fall hätte das Unternehmen einige Hürden zu überwinden.

Erstens würde die irische Lizenz nur Überweisungen innerhalb Europas erlauben. Mal eben Geld an die Verwandtschaft am anderen Ende der Welt schicken oder Waren bezahlen, die nur auf einem anderen Kontinent erhältlich sind, das wäre zunächst nicht möglich. 

Zweitens gäbe es für Facebook reichlich Konkurrenz: Die Sepa-Überweisung über das klassische Bankkonto, PayPal, Bargeld-Transferdienste wie MoneyTransfer, neue e-Geld-Spezialisten wie TransferWise oder virtuelle Währungen wie Bitcoin.

Drittens müsste Facebook sicherstellen, dass seine Nutzer das Geld auch wieder umwandeln und abheben können. Banken würden sich so etwas sicherlich bezahlen lassen, was die ganze Angelegenheit wieder teurer machen würde. Und der Aufbau eines alternativen Netzes von Geldausgabestellen – wie es der Mobile-Money-Service M-Pesa in Kenia geschafft hat – wäre sehr aufwändig.

Viertens müsste Facebook Vorkehrungen gegen Betrug treffen. Kriminelle könnten sich als seriöse Unternehmen ausgeben oder versuchen, sich das Vertrauen von Facebook-Nutzern zu erschleichen und sie auszunehmen. Die bisherige Klarnamen-Politik von Facebook wäre dafür nicht ausreichend. Aber wie viele Nutzer wollen sich einem echten Identitätscheck unterziehen?

Fünftens braucht Facebook einen gehörigen Vertrauensvorschuss. Das Unternehmen ist bekannt dafür, massenhaft Nutzerdaten zu sammeln. Künftig könnten noch Daten dazu kommen, aus denen hervorgeht, wer wem wann wie viel Geld und vielleicht auch noch zu welchem Zweck überweisen hat. Das dürfte nicht nur Datenschützer und Verbraucherschützer beunruhigen.