Satya Nadella, CEO von Microsoft, hat auf der Code Conference eine Übersetzer-Funktion für seinen Telefondienst vorgestellt. Der Skype Translator ist noch in der Testphase. Bei der Präsentation übersetzte das Programm nahezu simultan vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt.

Das Sprachenwirrwarr zu überwinden ist ein Menschheitstraum, in Sci-Fi-Filmen und -Serien wie Star Trek oft aufgegriffen. Denn obgleich wir mittlerweile Zugang zu den meisten Orten, Produkten und Währungen haben: Der Zugang zu den meisten Menschen bleibt noch immer durch die Sprache begrenzt.

Die Idee, Skype einen Übersetzer zu spendieren, ist so naheliegend, dass man sich fragt, warum das Unternehmen das nicht schon vorher gemacht hat. Die Antwort lautet schlicht: Die Entwicklung einer solchen Funktion ist aufwendig, teuer und benötigt eine Vielzahl an Technologien aus den Bereichen Spracherkennung, automatische Übersetzung und lernende Computersysteme.

Skype greift Google an

Microsoft arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit Jahren an Technologien, die das simultane Übersetzen ermöglichen sollen. Noch im November 2012 stellten sie für Skype eine Übersetzung in Untertiteln vor. Diese wurde aber nie in das Programm Skype aufgenommen.

Skype möchte mit dem Translator zum einen seine Marktstellung ausbauen. Bereits jetzt laufen etwa ein Drittel aller Telefonate weltweit über den Dienst, schätzt eine Studie des Telegeography Report (PDF).

Zum anderen reagiert Microsoft damit auf die Konkurrenz von Google. Denn dort arbeitet man bereits seit 2006 an einem Übersetzer und stellte ihn kostenlos bereit. Das Programm heißt Google-Übersetzer und kann mittlerweile über 70 Sprachen übersetzen. Als App-Version ist das Programm sogar in der Lage gesprochenes Wort in gesprochenes Wort zu übersetzen.

Google hat seinen Übersetzer wie eine Suchmaschine für Übersetzungen gebaut. Das Programm gleicht vereinfacht gesagt Übersetzungen aus dem Netz mit bereits bekannten Übersetzungen ab. Dann entscheidet es sich für die häufigsten. Dadurch entstehen viele Ungenauigkeiten. Ob die neue Funktion von Skype ähnlich funktioniert, ist bislang noch nicht bekannt.

Wahrscheinlich ist aber, dass auch Skype die Daten der Telefonate für die Analyse und Verbesserung der Übersetzungen nutzen wird. Gurdeep Singh Pall, einer der Vizepräsidenten von Microsoft, sagte: "Wenn nur ein kleiner Teil der Skype-Nutzer uns seine Daten auswerten lässt, würden wir mehr Daten bekommen als benötigt."

Der Übersetzer soll noch 2014 erscheinen

Die Ankündigung des neuen Skype-Übersetzers ist der nächste Schritt von Microsoft im Wettstreit mit Google. Ende April 2014 stellte Skype bereits eine neue kostenlose Videofunktion zur Gruppentelefonie vor, was als Antwort auf die äußerst erfolgreichen Google-Hangouts zu verstehen war. Google bietet Videochats mit mehr als zwei Teilnehmern seit jeher kostenlos an, was Skype unter Druck setzte.

Skype sieht die Anwendungsfelder des neuen Translators in praktisch allen gesellschaftlichen Einrichtungen: in Behörden, Schulen, Unternehmen oder schlicht multilingualen Familien oder Beziehungen. 

Dennoch ist die Funktion weit davon entfernt, fehlerfrei zu übersetzen. Das erkennt jeder, der sich die Präsentation auf der Konferenz ansieht. Aber die Übertragung geht bereits erstaunlich flott und der Sinn der Aussagen ist in den meisten Fällen verständlich. Der Skype Translator wird noch 2014 erscheinen, wahrscheinlich als Betaversion im neuen Betriebssystem Microsoft 8. Neben Englisch und Deutsch sollen bald andere Sprachen folgen.