Mission erfüllt: Der Hitchbot ist innerhalb von drei Wochen von der Ostküste an die Westküste Kanadas gefahren. Per Anhalter. Das hat vor ihm noch kein anderer Roboter gewagt. Sein Ziel, die Stadt Victoria auf Vancouver Island, hat er so früh erreicht, dass er nun sogar noch eine Art Ehrenrunde einlegt.

Er besucht noch einige First Nations in British Columbia, am Mittwoch macht er mit der Fähre einen Abstecher nach Seattle. Am Donnerstag  kehrt der Hitchbot zurück nach Victoria, wo seine Reise dann endet. Vorerst.

Seine Schöpfer, allen voran die Professorin für Kommunikationswissenschaft Frauke Zeller sowie ihr Kollege David Harris Smith, sind sehr zufrieden mit dem Verlauf ihres Experiments. "Der Hitchbot war von Anfang an als ein offenes, kollaboratives Kunstprojekt konzipiert und hat sich dementsprechend auch entwickelt", schreibt Zeller in einer E-Mail an ZEIT ONLINE. "Es hat eine Eigendynamik entwickelt, deren Ausmaße unsere Erwartungen übertroffen haben. Mittlerweile hat sich Hitchbot zu einem sozialen Event entwickelt."

Entscheidend war wohl die Aufmerksamkeit, die dem Roboter zuteil wurde. Unzählige kanadische und internationale Medien haben über die Reise von Hitchbot berichtet. Er selbst hat unterwegs fleißig auf Twitter, Facebook und Instagram über seinen Fortschritt und die Menschen berichtet, die ihn ein Stück mitgenommen haben.

18 verschiedene Mitfahrgelegenheiten hatte er. Alle Fahrer dürften Hitchbot schon aus den Medien gekannt haben, schreibt Zeller. Manche nahmen ihn mit zu ganz besonderen Ausflügen. So war er Ehrengast eines Pow Wows auf Manitoulin Island in Ontario, wo ihn die Vertreter der First Nations auf den Namen Biiabkookwe tauften – "Eiserne Frau". Er hing mit einer Rockband ab und auf dem Kicking Horse Mountain in British Columbia wurde er zu einer Hochzeit eingeladen, wo Braut und Bräutigam wild mit ihm tanzten.

Zeller und Smith haben bereits Anfragen aus mehreren anderen Ländern bekommen, auch aus Deutschland. Möglicherweise wird der Hitchbot – oder ein Nachfolger – also bald hierzulande auf Reisen gehen. "Hitchbot wird auf alle Fälle wiederkommen", schreibt Zeller.

Zunächst will die gebürtige Berlinerin aber die erste Reise des Roboters auswerten. Ursprünglich wollte sie herausfinden, ob Roboter den Menschen vertrauen können. Das ist ganz offensichtlich der Fall – jedenfalls dann, wenn sie so klein wie ein Kind sind, Gummistiefel tragen und im Auto mit ihrem Wikipedia-Wissen angeben oder vorschlagen, gemeinsam ein Lied zu singen.

Nun wird Zeller auch die Rolle der sozialen Medien näher untersuchen: "Menschen können auch aus der Distanz ein persönliches Verhältnis mit Robotern aufbauen. Die sonst in der Mensch-Roboter-Kommunikation so oft hervorgehobene Variable der direkten, physischen Interaktion ist sicherlich wichtig. Aber anscheinend kann auch über die sozialen Medien so etwas wie Verbundenheit mit einem Objekt hergestellt werden."

Soll heißen: Der Hitchbot hat auf seiner Fahrt zahlreiche Fans und viele neue Freunde gefunden.