Wer im Kampf gegen HIV tätig werden möchte, hat viele Optionen: Er kann ehrenamtlich bei der Aufklärung und Information helfen, als Mitglied einer Hilfsorganisation die Betroffenen in besonders gefährdeten Gebieten unterstützen, oder zumindest ein paar Euro an die Forschung und Aids-Hilfe spenden. Neu ist allerdings, dass man ab sofort auch eine Domain mit der Endung .hiv (dotHIV) besuchen oder einrichten kann.

Die Idee des gemeinnützigen Berliner Vereins, der hinter dotHIV steckt, ist simpel: Er vertreibt die neue Domainendung an Unternehmen, die diese zusätzlich zu ihrer eigenen schalten. So wird es zum Beispiel in Zukunft eine Google-Website unter google.hiv geben. Das kostet die Firmen zwischen 150 und 300 Euro im Jahr. Mindestens 70 Prozent der Einnahmen landen wiederum in einem Spendentopf. Jeder Besucher einer .hiv-Domain löst anschließend automatisch eine Mikrospende in Höhe von aktuell 0,1 Cent an ein ausgewähltes Hilfsprojekt aus.

Das klingt nach einer digitalen Spendenkampagne, doch dahinter steckt mehr, sagt die dotHIV-Geschäftsführerin Carolin Silbernagl: "Wir sammeln in erster Linie keine Spenden ein, sondern vertreiben Domains als ein werthaltiges Produkt. Die Mikrospenden sind dabei ein Motivationsfaktor." Jede .hiv-Website diene sowohl der Aufklärung über das Thema HIV, biete aber gleichzeitig auch eine Kontaktfläche zwischen Unternehmen und ihren Kunden – und dem Thema HIV.

"Natürlich steckt in den drei Buchstaben noch keine Botschaft, aber auch ein 'Gib Aids keine Chance'-Plakat sagt zunächst nicht mehr aus", sagt Silbernagl. Was der Besuch der Domains hervorrufe, sei zunächst einmal die Auseinandersetzung mit dem Thema. Das Ziel von dotHIV ist es, eine Infrastruktur um die Domain herum zu schaffen, sie als Teil des Internets zu etablieren.

Die Bürokratie der Internetverwalter

Dass es sie überhaupt gibt, ist das Ergebnis langjähriger Überzeugungsarbeit. Denn neue Domainendungen genehmigt die zuständige Internet Corporation for Assigned Names and Numbers nur selten. Die meist nur als Icann abgekürzte internationale und auf dem Papier unabhängige Organisation koordiniert Namen und Adressen im Internet. Dafür benötigt sie vor allem zwei Dinge: Zeit und Geld.

Lange Zeit hatte sie neue Endungen nur sporadisch zugelassen. Erst nachdem die klassischen Top-Level-Domains wie .com oder .org zunehmend besetzt waren, beschloss die Icann im Jahr 2008, die Vergabekriterien für neue Domains zu lockern. Ein Jahr später hatten Mitarbeiter der Hamburger Werbeagentur Thjnk die Idee, .hiv als Domain für einen gemeinnützigen Zweck zu etablieren. Gemeinsam mit Freunden aus dem Stiftungswesen wie Carolin Silbernagl und dem Thjnk-Vorstand Michael Trautmann, der heute einer der Investoren von dotHIV ist, begannen sie, das Projekt zu realisieren.

"Hätten wir gewusst wie schwierig das sein würde, ich weiß nicht, ob wir es gemacht hätten", sagt Silbernagl heute nicht ohne Stolz. Ab dem Januar 2012 akzeptierte die Icann Bewerbungen für neue Top-Level-Domains. Unternehmen wie Amazon oder Städte wie Berlin bewarben sich und brachten die 185.000 US-Dollar problemlos mit, die überhaupt zunächst für eine Prüfung vonseiten der Icann fällig wurden. Den Machern von dotHIV fiel die Finanzierung schwerer: Nur durch einen Förderkredit und Unterstützer aus der Privatwirtschaft bekamen sie die Summe überhaupt zusammen.

Es folgten viele Auseinandersetzungen mit der Technik und Bürokratie der Internetverwalter: Das Team von dotHIV musste nicht bloß die strengen Auflagen der Icann erfüllen, sondern Anbieter finden, die zum einen die vorgeschriebene Sicherheitskopie der Domain-Daten treuhänderisch verwalten und zum anderen die Registry-Einträge übernehmen, und zwar im Idealfall auch noch zu reduzierten Preisen. Dazu kam die Schwerfälligkeit der Icann, die mit dem Interesse an den neuen Domains überfordert war: "Oft haben wir gedacht, dass es in drei Monaten losgeht, aber dann hat Icann das Ganze wieder um ein halbes Jahr verschoben", sagt Silbernagl.