Quizfrage. Welches dieser Dinge hat Amazon in den vergangenen zwölf Monaten nicht aufgekauft, vorgestellt oder auf den Markt gebracht: Ein Smartphone, ein Tablet, eine Set-Top-Box, einen Drohnen-Lieferservice, eine Smartwatch, einen Streaming-Dienst, eine Teleshopping-Sparte, ein Video-on-Demand-Portal, einen E-Book-Reader oder eine große amerikanische Tageszeitung?

Die Antwort lautet Smartwatch, aber es ist okay, wenn Sie zweimal überlegen mussten. Vermutlich dauert es ohnehin nicht mehr allzu lange, bevor Amazon hier nachzieht. Denn kaum ein anderes Unternehmen investiert so aggressiv in Gadgets und in verschiedene Sparten der Unterhaltungsindustrie wie das Unternehmen aus Seattle.

Dass die Arbeiter des Versandhändlers regelmäßig streiken, dass es die Buchbranche mit seiner Monopolstellung unter Druck setzt, scheint den Konzernchef Jeff Bezos nicht zu stören. Auch dass selbst die Investoren unruhig werden, weil Amazon zwar wächst, aber keine nennenswerten Gewinne abwirft, kann Bezos nicht von seinem Kurs abbringen. Er möchte Amazon zum Medienimperium aufbauen, und das geht eben nicht nur mit E-Books, mit deren Verkauf Amazon inzwischen Weltmarktführer ist.

Amazon braucht das Fernsehen und investiert entsprechend stark in Bewegtbilder: Man produziert eigene TV-Serien, sichert sich die Exklusivrechte an Klassikern, lockt Kunden mit dem Video-on-Demand-Portal (VoD) Prime Instant Video und hat vor Kurzem Google den unter Videospielern beliebten Streaming-Dienst twitch.tv vor der Nase weggekauft.

Fire TV kommt nach Deutschland

Damit aber all das in den Wohnzimmern ankommt, braucht es ein Gerät, das diese Angebote auf den Bildschirm bringt. Genau das soll die Set-Top-Box Fire TV sein. 

Im Inneren des schwarzen Kastens arbeiten ein Vierkernprozessor und 2GB Ram. Die Fire-TV-Box unterstützt Full-HD-Auflösung, kommt mit Sprachsteuerung, und puffert Inhalte, die Amazon den Kunden anhand deren Vorlieben vorschlägt, bereits im Hintergrund. Außerdem funktioniert Fire TV als Spielkonsole, da Amazon nebenbei auch eine Gaming-Sparte aufbaut.

Fire-TV ist in den USA bereits seit April erhältlich und war dort schnell ausverkauft. Ab sofort gibt es das Gerät auch in Deutschland, und zwar zum Kampfpreis: 99 Euro kostet die kleine Box im Handel. Kunden von Amazons Prime-Lieferdienst sollten sie ursprünglich für die Hälfte bekommen, doch offenbar wurde das Angebot aufgrund der großen Nachfrage gestoppt.

Amazons Fire TV © Andrew Burton/Getty Images

Im Gegensatz zu anderen Set-Top-Boxen soll die Software von Fire TV aber möglichst alle Angebote und Anbieter unterstützen: VoD-Dienste, die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen, Apps von Zeitungen und Magazinen und natürlich Dienste wie YouTube oder twitch. Auch die Konkurrenz von Netflix, das demnächst in Deutschland startet, wird es auf dem Fire TV geben. Offenbar glaubt Amazon, dass die Nutzer früher oder später ohnehin den hauseigenen Streaming-Dienst nutzen werden. Ein neuer Vertrag mit dem US-Netzwerk NBC soll 13.000 neue Inhalte für Amazon Prime mitbringen.