Um den Schusswinkel einer Waffe zu berechnen, bedarf es in Zukunft nicht länger eines ganzen CSI-Teams. Womöglich nicht einmal einer Einschussstelle. Der Blick in eine App könnte genügen. Die kleine Firma Yardarm Technologies arbeitet daran. Sie gab vor wenigen Tagen bekannt, ihr System Smart Firearm Solutions For Law Enforcement werde nun in den USA getestet, und zwar von Polizeibehörden in Kalifornien und Texas.

Yardarm rüstet normale Handfeuerwaffen, aber auch Sturmgewehre mit Platinen aus, die samt Plastikmantel in den Griff der Schusswaffe geschoben werden. Auf der Platine befinden sich mehrere Sensoren, unter anderem ein Beschleunigungsmesser und ein Gyrometer. Diese können nicht nur feststellen, wann eine Waffe aus dem Holster genommen wird, sondern auch, ob der Polizist sie abfeuert und in welchem Winkel. Ganz nebenbei gibt das System die aktuelle Position des Polizisten weiter.

All diese Informationen werden in Echtzeit an ein Programm gesendet. Das Programm kann auf einem Desktop etwa auf der Polizeiwache laufen oder auf einem Smartphone des Kollegen im Einsatz. Es besteht im Wesentlichen aus einer Karte. Darauf ist der aktuelle Zustand der Schusswaffe des Polizisten angezeigt. Ist die Schusswaffe nicht im Einsatz, erscheint auf der Karte ein graues Waffenlogo. Wird die Waffe gezogen, ändert das Logo seine Farbe zu orange, wird sie abgefeuert, zu rot.

Yardarm verspricht eine bessere Einsatzkontrolle sowie mehr Sicherheit für die Beamten. Man könne das Programm auch so einstellen, dass ein Alarm ausgelöst wird, wenn ein Beamter seine Waffe zieht oder abfeuert. Seit in den USA auch immer häufiger Sturmgewehre zur normalen Ausrüstung der Polizei gehören, kommt es auch häufiger zu Diebstählen der schweren Waffen. Das erklärt Jim Schaff, Vizepräsident für Marketing bei Yardarm, in einem Video. Das System von Yardarm könne die abhanden gekommenen Waffen dank des Sensors orten.

Datenschutz könnte ein Problem werden

Die Technik von Yardarm ist bei deutschen Polizeibehörden bisher nicht im Gespräch. Jens Berger, Pressesprecher der Berliner Polizei, erklärt, solche Diskussionen gebe es hier nicht. Auch eine Ortung von Polizisten per GPS finde nicht statt und sei nicht geplant. Dagegen könnten auch rechtliche Gründe stehen. Denn eine umfassende Gesamtüberwachungen verstößt möglicherweise gegen das Arbeitsrecht.

Dieses Problem hat auch Yardarm erkannt. Man stehe diesbezüglich in Verhandlungen mit den Verbänden der Polizei. "Wir wollen kein Überwachungswerkzeug, sondern ein Sicherheitssystem für Polizisten sein", sagt Schaff in einem Interview. Möglich sei es, das System auch erst bei bestimmten Aktivitäten wie dem Ziehen der Waffe oder dem Abfeuern zu aktivieren. Dadurch käme es nicht zu einer durchgängigen Ortung der Polizisten.

Die amerikanische Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) beklagte kürzlich in ihrem Bericht War Comes Home, der amerikanischen Polizei fehle es an Überwachung und Transparenz. Wird der Waffengebrauch elektronisch erfasst, könnte dies Statistiken und Einsatzberichte künftig aussagekräftiger machen.