Und dann wäre da noch die voyeuristische Komponente. "Der Einblick in das Leben anderer Menschen ist exakt das, was die ungesehen Inhalte so faszinierend macht", schreibt Ashley Feinberg von Gizmodo über ihre Reise in die "traurig-seltsame Welt" von YouTube.

Tatsächlich scheint der Großteil der Aufnahmen von Familienmitgliedern zu kommen. Es sind Videos von Sportplätzen und Turnhallen, von Haustieren und Kindern, weshalb sich unweigerlich die Frage stellt: Wie viele Videos gibt es wohl auf YouTube, von denen selbst ihre Schöpfer nichts wissen, weil sie versehentlich aus einer App hochgeladen wurden? Und falls es doch beabsichtigt war: Ist es nicht traurig, dass sie keiner sehen möchte?

Gleichzeitig besteht eine gewisse Herausforderung darin, die oft nur aus Fragmenten bestehenden Clips oder kontextfreien Instagram-Bilder mit Sinn zu versehen. Die meisten Videos und Bilder enthalten Hinweise auf ihren Entstehungsort, auf zwischenmenschliche Beziehungen und soziale Umstände. Ein Video, in dem ein junger Mann, vermutlich aus Indien, sein Moped kreisen lässt, ist weder besonders spannend noch witzig. Und doch gibt es einen Einblick in sein Leben. "In einem Internet, in dem Ironie gepriesen wird, sind diese echten, intimen Porträts überwältigend ehrlich", schreibt Feinberg.

Vor allem aber machen Projekte wie Forgotify, No Likes Yet und Underviewed deutlich, dass das Internet mehr ist als die persönliche Timeline bei Facebook, die Charts bei Spotify und die erste Seite der Google-Suche. Sie zeigen, wie das Netz wirklich ist: Oft persönlich, bisweilen kurios, meistens ziemlich bunt und vor allem viel größer als gedacht.