Ein Gericht in der Türkei hat die Sperre von Internetseiten angeordnet, die das neue Charlie-Hebdo-Titelbild mit einer Mohammed-Karikatur zeigen. Die Entscheidung sei auf Antrag eines Anwalts von einem Gericht in Diyarbakır im Südosten des mehrheitlich muslimischen Landes getroffen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Laut einer anderen Nachrichtenagentur, DHA, wollte der Anwalt mit der Sperrung das Erscheinen der Mohammed-Karikatur vom neuen Charlie-Hebdo-Titel in der Türkei verhindern.

Dennoch sind die Mohammed-Karikatur weiter für Internetnutzer in der Türkei zugänglich gewesen. Auf dem unabhängigen Internetportal T24 waren die kompletten 16 Seiten der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo abrufbar. Das Newsportal hatte die neue Ausgabe des französischen Satiremagazins komplett übersetzt und veröffentlicht.

Auf der Titelseite der ersten Ausgabe seit dem islamistischen Angriff auf die Zeitschrift vor einer Woche in Paris ist ein weinender Prophet Mohammed zu sehen, der unter der Überschrift "Alles ist verziehen" ein Schild mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hält.

Das Urteil gilt für vier Websites, die das Titelbild gezeigt haben: birgun.net , t24.com, internethaber.com und thelira.com.

Zum Zeitpunkt des Gerichtsbeschlusses war die linksnationalistische Zeitung Cumhuriyet bereits mit einer gedruckten Charlie-Hebdo-Beilage erschienen. Das regierungskritische Blatt hatte in der vierseitigen Beilage Auszüge der neuen Ausgabe gedruckt. Das Titelbild des Satiremagazins war allerdings nicht in dieser Beilage, sondern nur verkleinert auf zwei anderen Seiten in der Zeitung abgebildet. Online hatte Cumhuriyet nicht die Karikatur mit dem weinenden Propheten Mohammed veröffentlicht.

Polizei erlaubte Auslieferung

Vor dem Redaktionsgebäude der Cumhuriyet wurden nach Agenturangaben drei Menschen festgenommen. Einer davon habe bei der Festnahme gerufen: "Du wirst meine Religion, meinen Propheten nicht angreifen." Die Polizei hatte die Umgebung des Redaktionsgebäudes aus Angst vor Übergriffen abgeriegelt.

Cumhuriyet berichtete online, die Polizei habe die Lastwagen mit den frisch gedruckten Zeitungen in Istanbul in der Nacht zu Mittwoch gestoppt. Nachdem die Polizei die Mohammed-Karikatur der Charlie-Hebdo-Titelseite in der Beilage nicht fand, habe die Staatsanwaltschaft die Auslieferung erlaubt. Chefredakteur Utku Çakırözer erklärte, man habe auf Religionsfreiheit ebenso wie auf religiöse Empfindlichkeiten geachtet.