Zoë Keating macht alles, was sich Freunde von alternativen Musikvertriebsmodellen wünschen: Sie ist nicht bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag, nimmt ihre Musik im Heimstudio auf, spielt oft live, lizenziert ihre Werke für Filmemacher und Werbung und vertreibt die Stücke über Plattformen wie Bandcamp und iTunes. Und auch über YouTube – und damit hat sie nun ein Problem, wie die Cellistin in einem langen Blogeintrag schreibt.

Keating beklagt darin, dass YouTube ihr ein für sie kaum annehmbares Angebot gemacht habe, um von dem neuen Abomodell Music Key zu profitieren: Nur, wenn sie dort alle neuen Stücke zeitgleich mit anderen Plattformen anbietet, kann sie weiterhin von YouTube Geld erhalten. Zudem muss alles, was auch im freien Bereich von YouTube von ihr zu finden ist, auch für die Abonnenten zugänglich sein. Kurz: Die Google-Tochter möchte zwar ein nicht-exklusives, aber vollständiges Recht für alle Werke von Zoë Keating. Und zwar für eine Laufzeit von fünf Jahren, was ungewöhnlich lang ist.

Keating hält das für einen Knebelvertrag, vor allem, weil das bisherige System Content ID ihr nicht mehr zugänglich sein soll. Nur dabei zu bleiben, so ihre Schilderung, biete ihr YouTube nicht an.

Content ID, das in Deutschland durch die Querelen mit der Musikverwertungsgesellschaft Gema in Verruf geriet, bietet für Musiker, die sich selbst vermarkten, einen großen Vorteil. Sie müssen sich nicht darum kümmern, ob ihre Musik von Dritten in YouTube-Videos verwendet wird. Erkennt Content ID einen solchen Clip, kann der Rechteinhaber entscheiden, ob er das zulässt und ob davor Werbung geschaltet wird, an der er beteiligt ist. Mit Music Key werden Keating zufolge aber alle Videos zwangsweise finanziell ausgewertet.

Content ID wie bisher wird nicht mehr angeboten

Die Cellistin, die sich mit Loops über ein Macbook bei Live-Auftritten selbst begleitet, würde am liebsten beim alten Modell bleiben, bei dem sie von Fall zu Fall selbst entscheidet, ob sie die Nutzung ihrer Musik monetarisieren will. Wie viel sie damit verdient, darf sie kraft ihres bisherigen Vertrages mit YouTube nicht angeben, bei knapp 10.000 Videos, die Content ID mit ihren Stücken identifiziert hat, dürfte der Betrag aber nicht gerade winzig sein.

Zum Vergleich gibt sie Pandora an, wo sie für gleich viele Klicks wie auf YouTube – 250.000 im Monat – immerhin 324 US-Dollar erhält. Das deckt sich auch mit Angaben von größeren deutschen YouTubern, die mit ein bis zwei Euro pro 1.000 Klicks kalkulieren.

Für Keating geht es dabei nicht darum, dass ihre Musik kostenlos genutzt werden würde – sie selbst gibt an, dass sie vor einigen Jahren die Stücke über The Pirate Bay als Torrents zur Verfügung gestellt habe. Aber sie möchte die Kontrolle darüber behalten, welche Titel wo stehen. Von einem großen Konzern dazu gezwungen zu werden, alle Titel an einer Stelle anzubieten, widerstrebt ihr am meisten.

YouTube hat der Musikerin ihren Angaben nach damit gedroht, ihren Kanal zu blockieren, wenn sie nicht bei Music Key mitspielen wolle. Damit würde sie auch sämtliche Kontrolle über die Verwendung ihrer Titel in anderen Videos verlieren, weil sie auch Content ID nicht mehr nutzen könnte, schreibt die Cellistin. Ein Sprecher der Plattform dementierte das Billboard gegenüber. Gleichzeitig bestätigte er die Verbindung zwischen Content ID und Music Key.

Der Fall von Keating ist nicht der erste, in dem Indie-Künstler mit YouTube aneinandergeraten. Vergangenes Jahr gab es zähe Verhandlungen mit Indie-Labels, die die neuen Streaming-Konditionen von YouTube nicht akzeptieren wollten. Auch hier wurde von einigen Verantwortlichen mit einer Sperre gedroht. Im November erzielten sie nach monatelanger Verhandlungen eine Lösung.