ZEIT ONLINE: Kanada hat hitchBOT schon erfolgreich durchquert, immer wieder haben freundliche Autofahrer den trampenden Roboter ein Stück mitgenommen und zu verschiedenen Festlichkeiten eingeladen. Das Kunstprojekt wurde zum Medienereignis, auch weil hitchBOT auf Facebook, Twitter und Instagram selbst von seinen Erlebnissen berichtete. Warum reist er nun durch Deutschland?

Frauke Zeller: Wir hatten schon in Kanada gesagt, dass es spannend wäre zu sehen, wie Menschen in anderen Ländern mit diesem Kunstwerk umgehen. Dann hat uns die ProSieben-Sendung Galileo eingeladen, es in Deutschland zu machen. 

ZEIT ONLINE: Erhoffen Sie sich neue Erkenntnisse? Läuft irgendetwas anders als noch in Kanada?

Zeller: Zunächst einmal war es eine große Herausforderung für uns, hitchBOT die deutsche Sprache einzuprogrammieren. Und es gibt ja auch kulturelle Unterschiede. Deshalb hat er jetzt zum Beispiel weniger Hockey-Wissen, dafür weiß er mehr über Fußball.

ZEIT ONLINE: Im Gegensatz zum Experiment in Kanada steht in Deutschland nicht nur das Ziel, sondern die ganze Route fest. Zudem hat hitchBOT nicht alle Etappen wirklich per Anhalter zurückgelegt. Und wenn doch, stand ein Team von Galileo mit Kameras neben ihm an der Straße, richtig?

Zeller: Ich bin nicht die ganze Zeit dabei und kann das nicht alles bestätigen. Aber es stimmt schon: Bestimmte Ziele sind festgelegt, auch weil wir weniger Zeit haben als in Kanada. Dort hatte er eine einzige große Aufgabe, nämlich einmal quer durchs Land zu trampen. Galileo wollte ihm mehrere kleine Aufgaben stellen, er sollte Schloss Neuschwanstein besuchen und den Kölner Karneval. Damit das in so kurzer Zeit klappt, haben wir bestimmte Punkte festgelegt. hitchBOT trampt aber und wir haben gegen Ende der Reise mehr Zeit und können das Experiment offener gestalten. Ursprünglich war geplant, dass hitchBOT nach Sylt fahren soll. Wenn es klappt, ist das toll, aber es muss nicht sein. Wir schauen einfach, wohin er in den letzten Tagen seiner Reise gebracht wird.

ZEIT ONLINE: Nach Berlin wurde er von einem Stern-Reporter mitgenommen, der anschließend darüber berichten wollte. 

Zeller: In Kanada war das auch einmal so. David (David Harris Smith, der andere Schöpfer von hitchBOT – Anm. der Red.) und ich fanden das damals auch nicht so super. Aber der Deal war: Wir greifen nicht ein. Wenn es sich so ergibt, dann ist es eben so. 

ZEIT ONLINE: Was könnte noch Unerwartetes passieren, wenn die Menschen, die hitchBOT einsammeln, gefilmt werden? Es wird sich ja niemand trauen, den Roboter zu zerlegen – ein Risiko, das Sie in Kanada noch eingegangen sind.

Zeller: Ja, dass jetzt ein Fernsehteam dabei ist, ändert einiges. Trotzdem ist hitchBOT auf ein paar Technikfreaks getroffen, die ihn aufmachen wollten. Das haben sie auch getan, und weil sie sich als sehr nett herausstellten, war das auch in Ordnung. Aber prinzipiell finden wir so etwas nicht lustig. Wir werten allerdings nicht wissenschaftlich aus, was die Menschen mit hitchBOT machen. Was wir auswerten, ist die Kommunikation darüber in den sozialen Medien, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, wo die Menschen weniger Details von der Reise mitbekommen. Interessanterweise sagen in Deutschland auch alle, hitchBOT sei ein rein wissenschaftliches Experiment – obwohl wir immer kommuniziert haben, dass es ein kollaboratives, sehr offenes Kunstprojekt ist. Was wir als Wissenschaftler interessant fanden – und ich kenne keine entsprechende Forschung aus der Mensch-Maschine-Interaktion – ist: Wie kann man diese Interaktion anreichern, indem man über soziale Medien so etwas wie die Persönlichkeit des Roboters kommuniziert?

ZEIT ONLINE: Wie viel von dem, was hitchBOT in den sozialen Netzwerken von sich gibt, ist menschengemacht? Wer formuliert seine Tweets?

Zeller: Da wir das jetzt zweisprachig machen, braucht hitchBOT natürlich viel Hilfe. Er kann einige Dinge selber schreiben, zum Beispiel, wo er gerade ist. Aber für die Übersetzung ins Deutsche braucht er seine "Familie", also uns.

ZEIT ONLINE: Ist das dann noch Mensch-Maschine-Interaktion?

Zeller: Generell werden sogenannte Wizard-of-Oz-Experimente oft in der Mensch-Maschine-Kommunikation eingesetzt, also wo der Mensch der Maschine bei der Interaktion manchmal hilft. In hitchBOTs Fall ist es ja aber auch so, dass er mit den Menschen, die er trifft und die ihn mitnehmen, selbst interagiert, also ohne Hilfe. Insofern kann und sollte man durchaus von Mensch-Maschine-Kommunikation reden.

ZEIT ONLINE: Haben Sie mal überlegt, hitchBOT in einem Land reisen zu lassen, in dem er völlig unbekannt ist? 

Zeller: Das wäre eine Idee. Aber wir haben es schon in Kanada bewusst so gemacht: Wir wollten eine Medienstrategie haben, um zu sehen, wie hitchBOT ankommt und um ihm zu helfen. Die Menschen sollten ja wissen, was das Ding da am Straßenrand ist.