Mark Zuckerberg setzt alles daran, Facebook zu einem separaten Internet zu machen. In manchen Ländern sagen schon heute "Millionen Facebook-Nutzer", sie würden das Internet gar nicht benutzen, hieß es kürzlich in einem aufsehenerregenden Artikel auf Quartz. Für diese Menschen ist Facebook komplett unabhängig vom Rest des Netzes und seiner Infrastruktur. Man kann dem Autor des Artikels vorwerfen, sich auf eine relativ dünne Datenbasis zu verlassen. Aber seine Schlussfolgerung entspricht wohl dem Wunschtraum von Zuckerberg. Die Neuerungen, die der Facebook-CEO am gestrigen Mittwoch auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco vorstellte, werden ihm der Erfüllung dieses Traums noch näherbringen.

Im Zentrum stehen dabei mobile Anwendungen, über die Facebook mittlerweile einen Großteil seiner Werbeeinnahmen erzielt. "Facebook war mal eine einzige blaue App, heute sind wir eine Familie von Apps", sagte Zuckerberg in seiner Eröffnungsrede. Eine davon baut Facebook nun kräftig aus: den Messenger. Er wird zu einer eigenen kleinen Plattform mit einer Art App-Store für Drittanbieter. Ein erstes Beispiel liefert die GIF-Suchmaschine Giphy. Mit deren neuer App Giphy + Messenger können Messenger-Nutzer beliebige GIFs mit einem Klick in ihre Nachrichten einbetten.

Der bisher auf Texte und Bilder beschränkte Messenger wird zudem multimedial. Die 600 Millionen Nutzer der App können neben animierten GIFs auch Songs, Videomontagen oder Sticker basteln und versenden. "Es ist alles ein bisschen albern, aber die Menschen lieben es", sagte Messenger-Chef David Marcus. Er weiß das von den asiatischen Konkurrenten Line und WeChat, die solche Optionen schon länger anbieten.

Außerdem will Facebook demnächst ein System testen, mit dem Unternehmen und ihre Kunden über den Messenger kommunizieren können. Anstelle von Bestell- und Lieferbestätigungen und anderen Versandinformationen in einzelnen E-Mails soll dies in personalisierter Form per Messenger geschehen. Zusätzliche Bestellungen, die Änderung der T-Shirt-Größe oder Reklamationen laufen ebenfalls über die App. Die beiden Modehändler Zulily und Everlane sind die ersten Partner des "Business-on-Messenger"-Vorstoßes, aber Facebook hofft auf Tausende Unternehmen wie Onlinehändler, Kabelanbieter oder Fluggesellschaften, die regen Austausch mit ihrer Kundschaft haben.

Dazu passt, dass Facebook bereits in der vergangenen Woche einen Dienst ankündigte, mit dem Nutzer sich gegenseitig Geld über den Messenger schicken können. Analysten gehen davon aus, dass daraus irgendwann eine Shopping-Möglichkeit innerhalb der App entsteht.

Virtual Reality im Newsfeed

Der Messenger wird also deutlich mächtiger. Aber Facebook baut auch einen anderen seiner erfolgreichen Kanäle aus – seine Videos. Sie lassen sich künftig auch auf anderen Websites einbetten, so wie das mit YouTube-Videos längst möglich ist. Die Ankündigung auf der F8 ist einer der seltenen Momente, in denen Facebook indirekt eingesteht, dass es außerhalb seines Netzwerks noch mehr Internet gibt.

Dem gegenüber stehen wiederum Pläne, die Inhalte von Medien wie der New York Times oder Buzzfeed in Zukunft direkt in Facebook zu integrieren – ohne den Link auf die eigentlichen Quellen. In den kommenden Monaten soll es erste Tests geben. Die Medienunternehmen sollen an den Werbeeinnahmen beteiligt werden, die Facebook mit Anzeigen neben ihren Artikeln verdient. Schon heute kommen bis zu 40 Prozent der Nutzer von journalistischen Angeboten über Facebook auf die jeweilige Homepage. In Zukunft sollen sie gleich auf Facebook bleiben. Wie massiv diese Zentralisierung einst aussehen wird, ist noch offen: Medienhäuser müssen abwägen, ob sie sich Facebook dermaßen ausliefern wollen, um sich dort Anzeigeneinnahmen zu sichern. 

Das Thema Virtual Reality (VR) rückt erst am Donnerstag in den Fokus der Konferenz. Am Mittwoch erinnerte einzig die Ankündigung, künftig auch 360-Grad-Videos im Newsfeed anzuzeigen, an Facebooks Übernahme von Oculus. Wer sich solche Videos mit der VR-Brille Oculus Rift anschaut, bekommt den Eindruck, mitten im Geschehen zu stehen.