Sex vor der Webcam ist ein großes Geschäft. Verlässliche Marktzahlen dazu gibt es zwar kaum, aber schon vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die erfolgreichen Plattformen im Monat zusammen rund 30 Millionen Besucher haben. Der jährliche Umsatz dürfte bei mindestens rund einer Milliarde US-Dollar liegen. Entsprechend präsentiert sich die Web-Model-Branche in Barcelona nicht aufdringlich pornografisch, sondern als ein wichtiger Teil der IT-Branche mit Bezahldienstleistern, Content Delivery Networks (CDN) und SEO-Optimierern. Golem.de hat sich auf der Messe The European Summit angesehen, welche Technologien die Branche verändern.

Wie schon auf den gerade zu Ende gegangenen Fachmessen Mobile World Congress (MWC) und Games Developer Conference (GDC) ist auch hier Virtual Reality ein großes Thema. Davon verspricht sich die Branche realistischere, direkte Cybererfahrungen.

 

Das Unternehmen Camplace zum Beispiel will das Head-mounted-Display Oculus Rift und die Augmented-Reality-Brille HoloLens von Microsoft unterstützen. Camplace wolle den Mitgliedern das Gefühl geben, wirklich mit dem Tausende Kilometer entfernten Model in einem Raum zu sein, sagte Mickey Nagy, Head of Customer Support von Camplace. Auch Treffen mit Oculus Rift und Camplace habe es schon gegeben. Eine offizielle Ankündigung dazu existiere aber noch nicht.

Anders als die überall im Internet verfügbare Pornografie sind Webcam-Shows persönlich. Oft sind die registrierten Nutzer den Models seit Jahren bekannt und vertraut. Einige von ihnen arbeiten aus dem heimischen Schlafzimmer, andere sind über soziale Netzwerke bekannte kleine Berühmtheiten. "Das sind Stars auf Twitter, mit mehreren Zehntausend Followern",sagte Robert M. Riley, Managing Director der M Group. Diese persönliche Ebene ist für Virtual Reality besonders geeignet. Das zahlende Mitglied kann seinen Stars noch näher sein und so die Illusion einer Beziehung stärken. Der Raum, in dem die Models chatten und strippen, ist oft sehr begrenzt, weshalb für Virtual Reality oder Augmented Reality nicht viel berechnet werden muss. Auf der Bühne, auf der alles passiert, ist alles sehr statisch. Das dürfte für Virtual Reality gut und günstig umzusetzen sein. 

Bitcoin ist der Branche noch zu volatil

Eine direktere Erfahrung für den Nutzer sollen auch interaktive Sexspielzeuge bieten. Sie seien "die Zukunft der Webcam-Branche", sagte das Webcam-Model Alex beim Roundtable The Future Of Sextech. Präsentiert wurden Geräte, bei denen Bewegungen des Models über das Internet auf den Nutzer übertragen werden. Anbieter der Hardware sind Kiiroo und das Unternehmen Fleshlight. "Wir arbeiten bereits mit Oculus Rift an der Integration", sagte einer der Manager. 

Ein anderer wichtiger Trend sind hochaufgelöste Bilder. HD-Webcams sind sehr verbreitet, doch 4K hält Nagy noch nicht für einen wichtigen Trend. Dafür seien die Netzwerke der Kunden, gerade aus den USA, einfach noch nicht leistungsfähig genug. Während die 4K-Webcams und Smartphones für einen höheren Preis bereits verfügbar seien, könnten den Mitgliedern in den USA die Inhalte gar nicht ausgeliefert werden, sagte Mickey Nagy.

Bei den Abrechnungsvorgängen scheint neue Technik dagegen nur bedingt hilfreich. Mitglieder registrieren sich vor den Liveshows, bezahlt wird mit Kreditkarte, was viele Interessenten aber zu unsicher finden. Nach den ersten kostenlosen Freiminuten verabschieden sie sich oft wieder. Andere Bezahlformen sind Prepaid-Guthaben. Bitcoin wäre einfacher und etwas anonymer. Doch virtuelle Geldeinheiten sind in der Branche noch unbeliebt. "Einige wenige Plattformen akzeptieren Bitcoin. Für uns ist das wegen der Schwankungen zu unsicher", sagt Nagy. Obwohl sich die großen Kursschwankungen beruhigt haben, bleibt Bitcoin ziemlich volatil.

Personalisierte Fotos und Videos auf Snapchat

Die großen Videodateien der Webcam-Shows müssen weltweit ausgeliefert werden. Einer der großen CDN-Betreiber der Branche ist Mojohost, der auch, aber nicht nur, für die Adult-Branche arbeitet, wie der Firmenvertreter Christopher O'Connell sagte. Mojohost arbeitet direkt mit Level3 Communications, Teliasonera und XO Communications zusammen, das Unternehmen betreibt Rechenzentren in den USA und Amsterdam. 60 bis 70 Prozent seiner Videoinhalte sind laut O'Connel aus der Adult-Branche.

Anders als andere Anbieter sieht O'Connell die Zukunft des käuflichen Webcam-Sex nicht in VR-Hightech. "Leute gucken einen Film, kriegen dann Lust auf etwas anderes und besorgen sich nahtlos Fotos eines Models über Snapchat", sagt er. Auch die App hat sich zur Plattform für persönliche Sexvorführgen entwickelt, wie die New York Times zuletzt beschrieb. Seit sich Nutzer über die im November eingeführte Funktion Snapcash gegenseitig Geld überweise können, bieten einige Sexmodels personalisierte Fotos und Videos an.