Microsoft steht nicht im Ruf, das innovativste Unternehmen der nordamerikanischen Westküste zu sein. Zwar sitzt es auf einem extensiven Patentportfolio mit 60.000 aktuellen Patenten, hat eine riesige Forschungsabteilung und einen Firmencampus, der jenen von Google, Facebook und Apple wenig nachsteht. Aber Microsoft hat ein Talent dafür, Geld vor allem mit seinen langweiligsten Ideen zu verdienen.

Was auch immer man von Microsoft halten mag, eines muss man anerkennen: Dieses Talent macht das Unternehmen, das den 4. April 1975 als seinen Gründungstag betrachtet, zum Dinosaurier, der sich beharrlich weigert, auszusterben. Und wer sich durch die Patentanmeldungen wühlt, erkennt darin die Stärken und Schwächen des Unternehmens, die Geschichte jenseits von Windows und Office.

Sie beginnt denkbar unspektakulär, mit einem Stück Lowtech, für das Microsoft 1986 sein erstes Patent zugesprochen bekam, elf Jahre nach seiner Gründung. Es handelte sich um einen aufklappbaren Halter für "Bücher und ähnliche Dinge". Ein Patent, das eher zu Ikea passte als zu einem Softwareunternehmen.

1986: Ein Bücherständer aus dem Hause Microsoft © United States Patent and Trademark Office

...und gebar eine Maus

In den ersten 20 Jahren seines Bestehens patentierte Microsoft aber generell fast keine Software. Eines der wichtigsten frühen Patente gehörte denn auch in den Bereich Hardware: Es war eine Computermaus. Und selbst die kam reichlich spät.

Während Apple seine Maus bereits 1982 patentierte, brauchte Microsoft sieben Jahre länger, bis das Patentamt seine Entwicklungstätigkeit um das Eingabegerät der Zukunft akzeptierte. Die Microsoft-Patente umfassten dafür die Stromversorgung über die serielle Schnittstelle, sodass Mäuse kein eigenes Netzteil mehr brauchten. Fünf Jahre nach dem wenig erfolgreichen Start von Windows machte Microsoft so die Maus zum billig herzustellenden Alltagsgegenstand. Für die Windows-Version 3.11 war das ein Grundstein zum wirtschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig konnte Microsoft von den Herstellern, die ihre eigene Hardware für den boomenden Personal Computer (PC) produzierten, Lizenzeinnahmen verlangen. Eine typische Microsoft-Idee: wenig sexy, dafür aber einträglich.

In den neunziger Jahre drehten sich viele Microsoft-Patente um die Zubehörsparte: Immer neue Maus-Designs, Trackballs, Spiele-Controller fanden ihren Weg in Patentanträge. Und Microsoft lernte dazu. Aus einem klobigen Konzept, an Computertastaturen einen abnehmbaren Trackpoint zu befestigen, wurde 1995 das Microsoft Natural Keyboard, das auch heute noch kaum verändert auf vielen Büroschreibtischen steht.

1995 patentierte Microsoft das Natural Keyboard. © United States Patent and Trademark Office

Der Zeit voraus und doch langweilig

Microsoft bereitete sich damals aber schon darauf vor, aus der Welt des PC auszubrechen. So stammt der erste Patentantrag auf ein "Vehicle Computer System" – zu Deutsch: ein Bordcomputer fürs Auto – aus dem Jahr 1995. Allerdings sah er noch vor, dass ein vollwertiger PC ins Auto eingebaut wird, mit CD-ROM-Laufwerk, 3,5-Zoll-Disketten und schwenkbarem Bildschirm.  Das Patent nutzte letztlich zu wenig mehr, als es später als Munition in einem Gerichtsverfahren gegen den Navigationsgerätehersteller TomTom einzusetzen.

Das Konzept des Bordcomputers nahm Microsoft wörtlich. © United States Patent and Trademark Office

Im neuen Jahrtausend wurden Patente überlebenswichtig. Nur wer selbst genug Patente hatte, konnte sich gegen Patentklagen seiner Konkurrenten verteidigen. IT-Firmen patentierten jede Technik vom Doppelklick bis zum E-Mail-Versand. Microsoft stand gut da, nachdem es 1999 schon sein 1000. Patent zugesprochen bekam.

Und es sollten noch viel mehr werden. Mit der Gründung eines eigenen Forschungszentrums hatte Microsoft seinen Ingenieuren freie Hand gegeben: 2001 arbeiteten 650 Angestellte für Microsoft Research. Sie konnten dank der Gewinne der anderen Sparten sagenhafte 7,8 Milliarden Dollar ausgeben, um zukunftsweisende Techniken zu erforschen, darunter Geräte zur Heimautomation, einen intelligenten Videorekorder oder Handheld-Computer, die dank ihrer Sensoren auf die Umgebung reagierten konnten. Bill Gates' eigenes Haus wurde zum Experimentierfeld und zur Zukunftsvision