"Wir haben gezeigt, dass es Bedarf an guten Streaming-Diensten gibt", schrieben die ursprünglichen Entwickler in ihrem Abschiedsplädoyer. Legale Anbieter wie Netflix haben die potenzielle Gefahr aus dem BitTorrent-Netzwerk bereits auf dem Schirm. In einem Brief an die Investoren im Januar erwähnte Netflix den Dienst namentlich und wies auf die Situation in den Niederlanden hin. Dort ist Popcorn Time besonders erfolgreich und die Suchanfragen steigen und sinken analog zu denen von Netflix. Bereits 2013 verrieten die Verantwortlichen von Netflix, dass man die illegalen Netzwerke analysieren würde. Damals argumentierte CEO Reed Hastings noch, dass die Nutzung von BitTorrent mühsam sei im Vergleich zu Netflix.

Mit Popcorn Time hat sich das geändert, viele Nutzer merken den Unterschied zu legalen Angeboten gar nicht. Deshalb ist der Dienst eine neue Bedrohung. Gleichzeitig stachelt er die legalen Anbieter an. Dienste wie Popcorn Time könnten einen ähnlichen Effekt für die Filmindustrie haben wie vor 15 Jahren Napster für die Musikbranche. Vor wenigen Wochen sagte Hastings, dass man mittelfristig die Ländersperren abschaffen müsse, um Filesharing effektiv einzudämmen. Genau das fordern die Kunden schon länger. 

"Leakers gonna leak"

Womit wir wieder bei Game of Thrones wären. Keine andere TV-Serie wurde in den vergangenen Jahren so oft illegal geteilt. Inzwischen arbeitet deshalb auch der US-Kabelsender HBO daran, seine Inhalte einfacher und gleichzeitig in vielen Ländern anbieten zu können. In Deutschland wird Game of Thrones mit der fünften Staffel zeitgleich im Originalton auf Sky Go ausgestrahlt, am Abend darauf noch einmal auf Sky Anytime. Bei der vierten Staffel landeten die Folgen einige Wochen später bei Amazon im Einzelabruf. Zudem bietet HBO inzwischen mit HBO Now seinen Dienst auch ohne Fernsehanschluss an – allerdings zunächst nur über Apple in den USA.

Die Angebote sind noch immer nicht ideal für die Fans außerhalb der USA. Doch sie zeigen, dass sich etwas tut in der Szene. Möglicherweise könnten attraktive Angebote tatsächlich einen Teil der riesigen Fangemeinde von illegalen Downloads abhalten. Doch Leaks wie im Fall der ersten vier Episoden von Game of Thrones dürften auch sie nicht stoppen. 1,7 Millionen Mal wurden die Folgen in den ersten 24 Stunden heruntergeladen, besagt eine Netzwerkanalyse des deutschen Unternehmens Excipio. TorrentFreak schreibt von mehr als einer Million Downloads pro Episode.

Woher der Leak stammt, weiß HBO offenbar selbst nicht genau; das digitale Wasserzeichen wurde unkenntlich gemacht. Es soll aber eine Person gewesen sein, die eine rechtmäßige Kopie besaß, ein Journalist vielleicht, oder ein Übersetzer. Ob es nun eine gezielte Aktion gegen HBO war oder bloß die Suche nach Anerkennung in der Szene, sei dahingestellt. In jedem Fall zeigt sie, dass illegales Filesharing unterschiedliche Formen annimmt. Und dass sich die ungeduldigsten Fans auch von legalen Angeboten nicht abhalten lassen.