Mehrere europäische Mobilfunkbetreiber arbeiten offenbar daran, Onlinewerbung in ihren Netzen zu blockieren. Das soll mithilfe eines eigens entwickelten Adblockers geschehen. Ein Netzbetreiber habe die Software bereits in seinen Rechenzentren installiert und wolle sie Ende des Jahres 2015 aktivieren, berichtet die Financial Timesunter Berufung auf einen hochrangigen Branchenvertreter. Der Plan richtet sich vor allem gegen US-Internetunternehmen wie Google, AOL und Yahoo. Mehrere europäische Netzbetreiber sind an dem Plan beteiligt.

Der Adblocker ist keine Schikane der Mobilfunkbetreiber, sondern ein Geschäftsmodell: Mobilfunknutzer sollen einen werbefreien Zugang buchen können, erklärte der Netzbetreiber. In einer weiteren Stufe, die The Bomb genannt wird, soll die gesamte Google-Werbung blockiert werden. Damit würde höchstwahrscheinlich gegen die Netzneutralität in der EU verstoßen werden.

Die Software soll die meisten Formen von Onlinewerbung auf Websites und in Apps blockieren, nicht aber In-Feed-Anzeigen wie bei Facebook und Twitter. In diesem Jahr werden laut eMarketer weltweit 69 Milliarden US-Dollar für Werbung auf mobilen Endgeräten ausgegeben.

Bis zu 50 Prozent des Datenverkehrs ist Werbung

Der Adblocker wurde von Shine entwickelt, einem israelischen Start-up, zu dessen Geldgebern Horizon Ventures gehört. Horizon Ventures verwaltet wiederum den Besitz des Hongkonger Geschäftsmanns Li Ka-shing. Li kontrolliert unter anderem Hutchison Whampoa und ist mit der Marke 3 (Three) als Mobilfunknetzbetreiber in Österreich, Dänemark, Großbritannien, Irland, Italien und weiteren Staaten wie Australien, Hongkong, Macau, Indonesien, Vietnam und Sri Lanka aktiv.

Der Grund für die Entwicklung des Adblockers dürfte unter anderem das hohe Datenvolumen der Werbung sein: Zehn bis 50 Prozent des bezahlten Datenvolumens der Nutzer würde allein durch Onlinewerbung aufgebraucht. Shine arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit mehreren Netzbetreibern zusammen, darunter einem Netzbetreiber mit etwa 40 Millionen Kunden, dessen Name nicht genannt wurde.

Google hat einen solchen Schritt auf Nachfrage der Financial Times als unvernünftig bezeichnet: "Die Leute bezahlen für Datenpakete, um Apps, Videostreaming, Webmail und andere Dienste, die sie mögen, nutzen zu können, viele davon sind werbefinanziert."

Erst kürzlich hat die Google-Tochter YouTube ein eigenes, werbefreies Modell ins Gespräch gebracht. Danach sollen YouTube-Nutzer künftig keine Werbung mehr sehen, wenn sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Einzelheiten dazu gab YouTube noch nicht bekannt.

Die EU-Kommission will bereits in ihrem Plan für einen "digitalen Binnenmarkt" die Position der US-Internetkonzerne schwächen – und die europäische Telekombranche stärken. Kern des digitalen Binnenmarktes ist eine Wettbewerbsprüfung des Onlinehandels in den EU-Ländern. Außerdem soll eine sogenannte Neuordnung des Telekommunikationsmarktes vermeintlich "gleiche Bedingungen für Netzbetreiber und Internetkonzerne" schaffen.