Ein Android-Maskottchen, das auf das Apple-Logo pinkelt, kann man lustig finden. Muss man aber nicht. Google-Maps-Nutzer "nitricboy" fand die Idee lustig. Vor allem den Plan, das Bild über den Map Maker, die Editierfunktion von Google Maps, in den Kartendienst zu schmuggeln – irgendwo in Pakistan. Google dagegen war nicht amüsiert. In den vergangenen Monaten gab es mehrerer solcher und anderer Fälle von Map-Maker-Missbrauch, weshalb das Unternehmen die Option seit heute nicht mehr anbietet. Der pinkelnde Androide hat sozusagen das Fass zum Überlaufen gebracht.

Der Map Maker soll vor allem Maps-Nutzern in Gegenden helfen, zu denen Google kein oder nur wenig Kartenmaterial und Informationen hat. Wer sich anmeldet, kann Google Maps um neue Straßen oder Parks ergänzen, indem er oder sie entsprechende Vorschläge einreicht. Die Google-Maps-Community prüfte die Vorschläge bisher selbst und gab sie gegebenenfalls frei.

Damit ist jetzt Schluss, zumindest vorläufig. Das teilte Google im Maps-Forum mit. Der Android-Apple-Scherz hatte gezeigt, dass es zu einfach ist, die Community und Google auszutricksen. "Nitricboy" zum Beispiel hatte sein Motiv in Teilstücken eingereicht, die er als Parks deklariert hatte. 

Nutzer kontrollieren sich gegenseitig

Einmal eingereicht, gab es bislang für Maps-Vandalen verschiedene Möglichkeiten, ihre Motiv-Vorschläge in Google Maps einfließen zu lassen: Wer es darauf anlegte, brauchte sich einfach nur mehrere Konten zuzulegen und seine Änderungen dann selbst freizugeben. Andere hatten wahrscheinlich Glück und trafen auf Community-Mitglieder, die ihre Scherze nicht erkannten und durchwinkten. Oder auf solche, die sie erkannten und trotzdem freigaben, aus Jux. Was auch erklären würde, warum manche Einträge nicht als unangemessen gemeldet wurden.

Einen anderen Weg ging der Witzbold, der im Weißen Haus den Snowboard-Laden Edwards Snow Den (Edwards Schneehütte) platzierte. Er nutzte die Map-Maker-Software, um das fiktive Geschäft zunächst unter einer anderen Adresse einzutragen, und als der Eintrag genehmigt war, änderte er die Anschrift nachträglich in 1600 Pennsylvania Avenue. Eine zweite Überprüfung fand offenbar nicht statt.

Snowboard-Laden "Edwards Snow Den" im Weißen Haus © marketingland.com / Google Maps

Google ist nicht der einzige Kartenanbieter, der manipuliert wird. Auch in Apple Maps gab es schon ähnliche Vorfälle, weil Apple unter anderem auf Daten von OpenStreetMap vertraut. Und OpenStreetMap, der Name sagt es schon, ist ebenfalls offen für Änderungen durch seine Nutzer.

Ohne Crowdsourcing kann Google Maps nicht funktionieren

Seit einigen Tagen überlegt Google nun, wie es den Spam im Kartendienst eindämmen kann. Die erste Maßnahme: Google selbst überprüft alle Neueinträge manuell. Doch es sind zu viele, Google kommt nicht hinterher, wie das Unternehmen im Forum schreibt. Damit Anträge nicht wochenlang unbearbeitet bleiben, hat Google den Map Maker vorerst ganz deaktiviert, bis es eine andere Lösung gefunden hat. 

Dem Unternehmen dürfte die Entscheidung nicht ganz leicht gefallen sein. Zwar gab es schon in der Vergangenheit Vorwürfe, Google tue zu wenig, um Betrug und Spam in Maps zu verhindern. Doch ohne Crowdsourcing kann ein globales Projekt wie Google Maps kaum funktionieren. Eine dauerhafte Abschaltung des Map Makers dürfte deshalb keine Option sein.