Seit Kurzem gibt es eine deutsche Seite der Crowdfunding-Plattform Kickstarter aus den USA. Sie funktioniert nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: Kreative können Projekte vorstellen, die sie verwirklichen wollen, und wer ihre Ideen mag, kann dafür Geld geben. Kommt die gewünschte Summe innerhalb eines vorher festgelegten Zeitraums zusammen, wird sie ausgezahlt. Wird das Ziel nicht erreicht, bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück. Kickstarter konkurriert mit anderen Plattformen wie Indiegogo oder Startnext.

ZEIT ONLINE: Unter den ersten Kickstarter-Kampagnen aus Deutschland ist eine für ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt über "Kommodifizierung und Begierde". Gesammelt wird aber auch für einen Film über Nazi-Zombies und fliegende Haie, für Boxershorts, die vor Handystrahlen schützen und für Leitungswasser in Flaschen. Ist so eine Kombination aus Kunst und Nonsens typisch für die ersten Tage in einem neuen Markt?

Yancey Strickler: Es wird immer alberne Projekte geben. Wir schauen sie uns alle an, bevor sie auf die Website kommen, wollen aber möglichst niedrige Hürden errichten. Was diese Projekte fast alle gemeinsam haben: Sie werden mit einiger Sicherheit ihr Finanzierungsziel nicht erreichen. 

ZEIT ONLINE: Kickstarter ist also auch eine Unterhaltungsplattform?

Strickler: Ja, absolut.

ZEIT ONLINE: Und was ist mit Betrügern? Werden Sie in Zukunft verstärkt gegen Scampaigns vorgehen, also gegen Versuche, die Nutzer mit Produkten abzuzocken, die gar nicht umsetzbar sind? Ich denke da an zweifelhafte Verschlüsselungstechnik wie die Anonabox, mit der die Anbieter die laufende Geheimdienstdebatte ausnutzen wollen.

Strickler: Wir entfernen betrügerische Kampagnen von unserer Seite. Das Schöne an dem System ist ja: Wenn wir ein Projekt überprüft haben ...

ZEIT ONLINE: ... Moment bitte, konsultieren Sie für diese Überprüfung externe Spezialisten, wenn es zum Beispiel um Verschlüsselungstechnik geht?

Strickler: Wir haben welche in unserem Team. Die sehen Probleme, die relativ klar erkennbar sind. Wenn dann eine Kampagne startet und die Community erkennt, dass da etwas nicht stimmen kann, überprüfen wir die Vorwürfe noch mal genau, während die Kampagne läuft. Es hat ja einen Grund, dass wir diesen Alles-oder-nichts-Mechanismus haben: Er verschafft uns Zeit, um herauszufinden, ob ein Projekt dubios ist. Wenn wir es dann entfernen, bekommt der Anbieter auch kein Geld. Unsere Maßnahmen sind härter als die aller anderen Plattformen.

ZEIT ONLINE: Aber Sie verlassen sich auf Experten, die Sie auf weniger offensichtliche Probleme hinweisen?

Strickler: In manchen Fällen sicher. Die Community ist ziemlich gut darin.

ZEIT ONLINE: Kickstarter gibt es in den USA, in Kanada, Neuseeland, Australien, Großbritannien, Irland, Dänemark, Norwegen, Schweden und nun auch Deutschland. Allesamt reiche, westliche Länder. Sehen Sie trotzdem kulturelle Unterschiede in den Projekten?

Strickler: Im Moment sehe ich mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Verschiedene Geschmäcker vielleicht, aber nicht so verschieden, wie sie sein könnten. Insbesondere, wenn ich mir vorstelle, was Kickstarter in der südlichen Hemisphäre und in Asien auslösen könnte.

ZEIT ONLINE: Was hält Sie davon ab, nach Asien zu gehen?

Strickler: Die fehlende Bezahl-Infrastruktur. Die war auch der Grund, warum wir sechs Jahre gebraucht haben, um Kickstarter nach Deutschland zu bringen. Wir haben den Zahlungsdienstleister gewechselt und arbeiten nun mit Stripe zusammen. Erst das macht es uns möglich, dort hinzugehen, wo wir noch nicht vertreten sind.

ZEIT ONLINE: Wann also wird es ein erstes Kickstarter in der südlichen Hemisphäre geben?

Strickler: Wahrscheinlich nächstes Jahr.