ZEIT ONLINE: Herr Ferdowsi, als Curiosity im August 2012 auf dem Mars landete, saßen Sie als einer der leitenden Ingenieure im Nasa-Kontrollzentrum. Die Bilder von Ihrer Frisur gingen um die Welt. Sie trugen einen Mohawk in den Farben der US-Flagge, mit Sternchen an den Seiten. Ihr Team hatte vorher per E-Mail-Umfrage darüber abgestimmt. Selbst US-Präsident Obama nannte Sie später Mohawk Guy. So von Nasenring- zu Mohawkträger: Ist das noch Punkrock?

Bobak Ferdowsi: Damals hat wohl niemand damit gerechnet, diesen Stil bei der Nasa zu sehen. Aber ich war nie der einzige Paradiesvogel dort. Vor allem das Jet Propulsion Laboratory in Los Angeles, wo ich arbeite, sieht aus wie ein Hochschulcampus. Viele haben bunte Haare, Piercings oder Tattoos. Die Situation war nur eine besondere, weil es so lange her war, dass die ganze Welt ins Innere eines Nasa-Kontrollzentrums schauen und erkennen konnte, dass wir nicht mehr aussehen, als würden wir im Tom-Hanks-Film Apollo 13 mitspielen.

ZEIT ONLINE: Die Curiosity-Landung war ein Medienevent. Mittlerweile hat die Raumfahrt auch richtige Stars. Astronauten wie Chris Hadfield und Alexander Gerst machen sich selbst und ihre Arbeit über soziale Netzwerke populär. Und sie sind hervorragende Entertainer, wenn sie auf einer Bühne oder vor der Kamera stehen. Wie viel Show verträgt die Raumfahrt?

Ferdowsi: Das sind charismatische Männer, die ihre Erfahrungen so erklären können, dass jeder sie versteht. Wir können bei der Nasa oder der ESA so viel forschen wie wir wollen, aber letztlich müssen auch die Steuerzahler unsere Arbeit wertschätzen. Sie sollen verstehen, welchen praktischen Nutzen die Raumfahrt ihnen bringt. Außerdem vermittelt jemand wie Commander Hadfield sehr anschaulich die emotionale Seite der Raumfahrt.

ZEIT ONLINE: Sie haben eben die Steuerzahler erwähnt. Reden wir über Öffentlichkeitsarbeit, gute und schlechte. In letzter Zeit lese ich ständig NSA, wo eigentlich Nasa steht ...

Ferdowsi: ... passiert mir auch.

ZEIT ONLINE: Das ergibt zugegebenermaßen lustige Schlagzeilen. Aber während die Geheimdienste in den vergangen Jahren ihr Budget trotz reichlich schlechter Publicity immer wieder erhöht bekamen, stagniert das der Nasa bestenfalls. Schaffen Sie es nicht, eine Pro-Raumfahrt-Stimmung zu erzeugen, die auch die Politik nicht ignorieren kann?

Ferdowsi: Ich hoffe zumindest, dass wir ein paar Menschen erreichen, die dann wiederum selbst zu Nasa-Botschaftern werden und damit unser Netzwerk vergrößern. Im besten Fall vergrößert das unsere Chancen, dass bei den nächsten Wahlen jene ins Amt kommen, die die Nasa unterstützen. Ich selbst bin überwiegend in meiner Freizeit unterwegs. Das ist eine persönliche Mission. Schließlich bin ich selbst bei der Nasa gelandet, weil irgendwann vor 20 Jahren mal ein Astronaut an meiner Schule einen Vortrag gehalten hat. Ich will etwas davon zurückgeben.

ZEIT ONLINE: Zuletzt wurde die Landung der Sonde Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zum weltweiten Medienevent. Hilft es der Wissenschaft wirklich, wenn jahrzehntelange Forschungsarbeit auf solche Momente reduziert wird, in denen die ganze mühevolle, frustrierende, komplizierte Vorarbeit für die Öffentlichkeit ausgeblendet wird?

Ferdowsi: Es ist definitiv Segen und Fluch zugleich. Ein Fluch, weil solche Events unsere Arbeit einfacher aussehen lassen, als sie ist. Weil wir nicht jeden Tag so etwas wie die Landung von Philae oder Curiosity haben. Und selbst wenn wir etwas Ähnliches in zehn Jahre nochmal versuchen würden, wäre es immer noch wahnsinnig schwierig. Nichts wäre selbstverständlich. In der Öffentlichkeit wird das jetzt dennoch als die neue Normalität angesehen, so dass wir uns immer wieder selbst übertreffen müssen. Das ist schon ein wenig frustrierend.

ZEIT ONLINE: Und ein Segen, weil ...?

Ferdowsi: Was wir bei Philae gut hinbekommen haben, war den Menschen zu erklären, wie verrückt das ist, was wir da tun. Was alles innerhalb weniger Minuten passieren muss, damit wir Erfolg haben. Solche Anlässe helfen uns, mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen. Wir sind dann vielleicht für 24 oder 48 Stunden in den Nachrichten und dann erst einmal nicht mehr. Aber über Facebook und Twitter können wir den Dialog aufrechterhalten. Vielleicht nicht immer im gleichen Ausmaß. Aber hoffentlich können wir den Menschen das Gefühl geben, dass sie Teil der Mission sind und etwas lernen können.